Die beliebtesten Orte für Taufen und Heiraten

Es ist die Geburtsstunde der Kirche: Pfingsten. Und zum Pfingstwunder gehörte, dass viele Menschen sich taufen ließen. Wo dies geschah, spielte zunächst keine Rolle. Heute dagegen suchen sich Christen oft bewusst den Ort für die Taufe aus. Oft sind es Kirchen, mit denen sie etwas Besonderes verbinden.

Symbole sind für den Menschen wichtig. Auch Kirchengebäude können solche Symbole für Leben sein. Foto: Witbuh_pixelio.de

Wenn es um Kinder geht, wollen Eltern alles richtig machen. Dazu gehört auch die Taufe. Und die ganze Symbolik, die dazu gehört. Und der Ort. Familie R. aus Vaihingen an der Enz hat zum Beispiel mit dem Gedanken gespielt, die Zeremonie in die Heimat der Mutter, die aus der Hannoverschen Landeskirche stammt, zu verlegen. Dorthin, wo sie selbst getauft worden ist und ihre eigenen Eltern geheiratet haben. Irgendwie wäre es aber zu kompliziert geworden, alle Familienmitglieder in den Norden Deutschlands einzuladen. Also fand die Taufe in Vaihingen statt. Aber immerhin ist die Stadtkirche dort ebenfalls familiengeschichtlich bedeutsam: Sie ist die Taufkirche des Vaters.

Heiraten, wo die Oma getauft wurde

So wie Familie R. geht es vielen, erzählt die Vaihinger Pfarrerin Barbara Martin. Eltern und Großeltern äußern oft den Wunsch, dass die Taufe da stattfindet, wo sie selbst getauft wurden. „Der Wunsch ist da, aber es geht nicht immer“, sagt Barbara Martin. Ähnlich verhalten sich auch Hochzeitspaare. Sie wollen sich oftmals dort das Ja-Wort geben, wo einer der beiden konfirmiert wurde und am besten noch von dem Pfarrer, der damals die Konfirmation vorgenommen hat, erzählt die Pfarrerin und fügt hinzu, dass es bei ihr selbst ähnlich war: Sie hat in Wangen im Allgäu geheiratet, wo sie selbst konfirmiert worden war und wo sie aufgewachsen ist. Getraut hat sie eine Pfarrerin, bei der sie Religionsunterricht hatte, die sie im Studium begleitet hat und mit der sie inzwischen gut befreundet ist.

Geht es um die Person oder den Kirchenraum? „Es ist schon die Kirche“, meint Barbara Martin, „weil es der Raum ist, in dem ich positive Glaubenserfahrungen gemacht habe.“ Egal ob Taufe, Konfirmation oder Hochzeit: Barbara Martin beobachtet, dass diese Kasualien biographische Schwellen-Situationen sind. „Viele Menschen haben das Bedürfnis, aneinen Ort zu gehen, den sie aus ihrer Biographie kennen.“

Der eigenen Geschichte auf der Spur

Theologisch findet die Pfarrerin an diesem Wunsch nichts Verwerfliches. Orte spielen eine wichtige Rolle im Leben, weil sie mit Ereignissen verbunden sind. „Menschen vergewissern sich dort ihrer Geschichte und ihrer Vorfahren.“ Gleichzeitig stimmt es die Pfarrerin aber auch ein wenig traurig, wenn die Leute nicht dort feiern, wo sie leben. „Wir sind ja zuständig für die Menschen vor Ort“, meint sie. Und es sei ja auch wichtig, dort, wo man lebt, Beziehungen aufzubauen. Deshalb rät sie eigentlich dazu, die Taufe im Wohnort zu feiern, damit das Kind auch in die Gemeinde hineingetauft werden kann.

Bei Hochzeiten könne sie eher akzeptieren, diese an biographisch wichtigen Orten zu feiern. Die Familie kommt an dem Bezugspunkt zusammen, und von dort aus geht das Paar seinen Schritt in die Zukunft. Die Suche nach der Kirche der Kindheit oder der Familie ist für Barbara Martin aber auch Ausdruck eines Zeitphänomens: Viele Menschen kommen inzwischen viel herum, müssen oft umziehen und sich ständig neu verwurzeln.

Sehnsucht nach dem Anker

Es ist nicht mehr nur der eine Ort, die eine Stadt oder das eine Dorf, zu dem man gehört und wo man Beziehungen entwickelt hat. „Dann kommt die Sehnsucht danach, an einen Ort zurückzukehren und sich dort zu verankern“, sagt Barbara Martin. Dass Eltern oft umziehen, ist aber nicht nur ein Phänomen der Moderne. Berufsgruppen wie Pfarrer haben dies schon immer erlebt – und deren Kinder mit ihnen.

Hermann Kinzler zum Beispiel erinnerte sich bei einem Rätselbild im Evangelischen Gemeindeblatt für Württemberg sofort an die Kirche in Oppelsbohm, wo er bis zu seinem fünften Lebensjahr gewohnt hat. Dort war der Vater seiner Mutter Pfarrer und später seine Mutter Pfarrfrau. Der ehemalige Textilingenieur hat die Bindung zu dieser Kirche aber nicht weitergeführt. Und spätestens, als er nach zehn Jahren Krieg und Gefangenschaft nach Reutlingen kam, wurde diese Stadt zu seiner Heimat. Aus Oppelsbohm blieb ihm die Erinnerung. „Aber sonst nichts“, sagt er heute.

Es ist wohl dieser Spagat, den Menschen immer wieder bewältigen müssen: Sollen sie der Wurzelsuche nachgeben, Orte der Erinnerung aufsuchen und von dort aus weitergehen? Oder sollen sie die Vergangenheit hinter sich lassen, neue Beziehungen knüpfen und damit neue Räume – auch Kirchen-Räume – betreten?

Elisabeth Meinel aus Friedrichshafen denkt heute immer wieder an die Luther-Kirche in Bad Cannstatt zurück, wo sie konfirmiert worden ist. Der Vater leitete dort den Posaunenchor. Sie selbst begleitete die Musiker beim Kurrende-Blasen und leuchtete ihnen. „Wenn Mädchen damals mitmachen hätten dürfen, hätte ich Trompete gelernt“, meint sie heute ein wenig bedauernd. Nein, Cannstatt sei nicht vergessen. Immer wieder habe es dort Familientreffen gegeben. Auf dem Friedhof nebenan ist außerdem die Großmutter beerdigt.

So ziehen sich bestimmte Kirchen immer wieder durch die Geschichte ganzer Familien. Das erlebt auch die Mesnerin, Pfarrfrau und Kirchenpädagogin Gabriele Gokenbach aus Aalen. Sie weiß: Es geht fast jedem Pfarrer so: Leute kommen und wollen in dieser Kirche heiraten, weil die Oma dort getraut worden war. „Es ist ein Stück weit Tradition und ein Stück weit aber auch die Sehnsucht, sich in die Familiengeschichte einzureihen“, glaubt sie. Klassische Kandidaten für die Kirchensuche sind die Taufe und die Hochzeit. Auch bei goldenen Hochzeiten suchen die Paare oft die Kirche auf, in der sie sich einst das Ja-Wort gegeben haben. „Sie wollen dabei meist etwas Ähnliches erfahren“, meint Gabriele Gokenbach.

Der Taufstein bleibt im Gedächtnis

Woran erinnern sich Menschen konkret, wenn sie an bestimmte Kirchenräume denken? „Das hängt ganz von der Kirche ab“, antwortet Gabriele Gokenbach. Oft bleiben markante Punkte wie der Taufstein im Gedächtnis. Oder manche denken daran, wie die Oma im Sarg aufgebahrt war. Meist werden biographische Ereignisse mit dem Kirchenraum verknüpft. Die Kirchenpädagogin, die im Arbeitskreis „Kirchenraum erzählt vom Glauben“ mitarbeitet, kennt aber auch Situationen, wo sich Großeltern und Enkel über die Kirche austauschen. So zeige der Enkel oder die Enkelin der Oma manchmal, was es bei einer Kinderkirchenführung alles zu sehen gab und dass im Kirchenraum Tiere zu entdecken sind. Die Oma dagegen erzählt dann, wie sie zum ersten Mal aus dem Kelch getrunken habe. So prägt sich vieles ins Gedächtnis ein.

 

 

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