Die zentralen Bilder, die das Herz erreichen

Wir wissen es seit dem Pfingstereignis: Gott teilt sich über Sprache mit. Die Menschen damals verstanden Petrus sogar in ihren jeweiligen Muttersprachen. Doch wir sind mehr als unsere Sprache. Am Anfang steht das Gefühl.

In der Pubertät haben Mädchen und Jungen viele Gefühle und Bilder im Kopf. Die Religion tut sich da schwer anzukommen. Foto: Gothaer Schülerinnen_Karl-Heinz Laube_pixelio.de

Kinder verfolgen beim Lernen ein sehr erfolgreiches Prinzip: Sie gehen vom Bekannten aus und entwickeln daraus das Unbekannte. Mit anderen Worten: Kinder brauchen ganz konkrete Vorstellungen, etwas Handfestes, das sie anfassen können, begreifen können. Der Religionspädagoge Albert Biesinger sagt schlicht: „Kinder haben Bilder.“

Deshalb fragt er sie auch ganz konkret: Wie stellst du dir den lieben Gott vor? Sein eigener Sohn hat als Kleinkind auf diese Frage einmal geantwortet: Der liebe Gott bist du, erzählt Biesinger lachend und erklärt es so: „Kinder denken, der Papa kann alles.“ Als er seinem Sohn dann erzählt habe, dass er selber auch bete, habe sich das Bild vom allmächtigen Papa langsam aufgelöst, erinnert sich der Professor. Für Biesinger zeigt sich aber an diesem Beispiel: Kinder arbeiten mit den Bedeutungen, die ihnen zugänglich sind, und erweitern sie dann Schritt für Schritt. Sie reflektieren immer mehr, bis sie im Erwachsenenalter ganz abstrakte Vorstellungen haben.

Gott als wärmendes Licht

„Ich stelle mir Gott zum Beispiel als wärmendes Licht vor“, sagt der Katholik Albert Biesinger. Die Lichtmetapher ist für Biesinger wichtig geworden. Schließlich ist Jesus ja das Licht der Welt. Die Vorstellung von Gott entsteht in der Kommunikation mit den Eltern. Wenn Eltern regelmäßig mit ihren Kindern beten, dann schaffen sie durch dieses Ritual eine Vorstellung im kindlichen Bewusstsein. Und nicht nur das: Am Abend etwas vorzulesen, zum Beispiel aus der Bibel, wirkt sich positiv auf die Sprachentwicklung des Kindes aus.

„Für Großeltern ergibt sich die wunderbare Aufgabe, den Enkeln biblische Geschichten zu erzählen, CDs mit ihnen anzuhören oder Bilderbibeln anzusehen“, findet Albert Biesinger, der inzwischen selbst Großvater ist. Wichtig dabei ist, von der Erfahrungswelt der Kinder auszugehen und die Bibel mit ihren Worten erklären. Zum Beispiel Auferstehung: „Wir Menschen sind mehr als nur unser Körper“, könnte man erläutern. „Der Körper liegt im Grab, aber Jesus holt uns in den Himmel.“ Die Vorstellung vom Menschen so zu erweitern, mache Kinder nachdenklich, weiß Biesinger. „Ich bin mehr als mein Körper“. Eine philosophische Aussage, mit der Kinder aber etwas anfangen können.

Was macht Jesus in dem Brot?

Der evangelische Kollege von Biesinger an der Universität Tübingen, der Religionspädagoge Friedrich Schweitzer hat in dem Buch „Was macht Jesus in dem Brot?“ auf diese Weise das Phänomen Ostern für Kinder erklärt. Übrigens: die erste Form, Kindern ein religiöses Gefühl zu vermitteln, ist offenbar die Musik. „Kinder reagieren früh auf Gesänge“, sagt Biesinger. Er selbst hat seinen Enkelkindern abends durchs Telefon immer das Lied gepfiffen und gesungen: Weißt du, wie viel Sternlein stehen?“ Vor kurzem hat er seinen Enkel besucht, als dieser gerade auf dem Sofa lag. „Ich habe das Lied wieder gepfiffen und er hat so gestrahlt“, erzählt Biesinger.

Kinder verbinden mit Melodien einfach das Gefühl der Zuwendung. Und auch wenn es vereinfacht klingt: Dieses Gefühl der Zuwendung ist der Beginn der Religion.  

Bücher zum Thema

 

Albert Biesinger und Helga Kohler-Spiegel (Hrsg.): Was macht Jesus in dem Brot? Kösel-Verlag 2013, 176 Seiten, 16,99 Euro. ISBN 9783466370610.

Albert BIesinger: Kinder nicht um Gott betrügen: Warum religiöse Erziehung so wichtig ist. Herder-Verlag 2012, 180 Seiten, 14,99 Euro. ISBN 9783451326141. Albert Biesinger erklärt, wie wir KIndern Gott näher bringen.

Zeitpunkte

Tipps für Familien

Zeiträume

Themen für Familien