Passt zur Fastenzeit: Beten am Tisch

Eigentlich ist es ganz einfach: Dass es Gott gibt, dass wir ihm danken können, dass er uns leben lässt, das wird uns doch beim Essen bewusst. Warum also nicht ein Tischgebet sprechen? Wem kein eigenes einfällt, für den gibt es viele Ideen. Tischgebete machen aus dem Essen ein Erlebnis. Ehrlich.

Der Klassiker: Kinder lieben Gebetswürfel. Foto: Thomas Max Müller/pixelio.de

„Wo gibt es denn das sonst noch?“ fragt Martina Liebendörfer. „Dass man so natürlich und normal einen Bezug zu Gott herstellt?“ Die Referentin für Mutter-Kind-Gruppen bei den evangelischen Frauen in Württemberg ist ein Fan von Tischgebeten. Daher hat sie kleine Kärtchen mit Bildsymbolen entworfen, auf denen jeweils ein kurzes Gebet zum Mittagessen steht. Und damit auch die kleinsten Kinder sich ein Verslein aussuchen können, ist jede Karte mit einem Symbol versehen. Dort, wo zum Beispiel ein Besen abgebildet ist, steht der Spruch „Gott lass deinen Segen über dieses Essen fegen.“
So lockere Gebete stehen da drin? Ja. Denn Martina Liebendörfer findet: Der Spaß darf nicht zu kurz kommen. Natürlich darf eine gewisse Ernsthaftigkeit nicht fehlen. Aber als erstes steht das Gefühl im Vordergrund: „Klasse, dass wir so eine tolle Welt haben, auf der so viel wächst“, sagt Martina Liebendörfer. Neben diesem Gefühl der Freude und der Dankbarkeit vermittelt das Tischgebet aber noch etwas anderes: Es ist ein gemeinsamer Start. Kinder und Eltern fangen nicht einfach an irgendwann zu essen, sondern erleben gemeinsam die Mahlzeit.

Wenn das Beten fremd geworden ist

Natürlich fällt das vielen Eltern schwer, hat Martina Liebendörfer erfahren. Oft sind die Gebete, die Eltern noch kennen, zu veraltet und in einer altertümlichen Sprache verfasst. Also: „Vater segne diese Speise, uns zur Kraft und dir zum Preise“. Das klingt doch schon sehr altmodisch. Und was bedeutet eigentlich „Preise“? Ähnlich sperrig hört sich das alte Gebet an: „Lieber Gott mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm“. Martina Liebendörfer findet es auch schwierig, wenn unterschiedliche Wörter für Gott verwendet werden: Vater, Herr, Jesus, Heiland. Das verwirre vor allem kleine Kinder, findet sie. Ein Begriff, am besten Gott, sei da besser.

Martina Liebendörfer ist ein Fan von Tischgebeten. Foto: privat

Ja, das Beten ist vielen überhaupt fremd geworden. Trotzdem wollen viele Eltern wieder Rituale in der Familie einführen. Und manche bekommen durch die Kinder wieder Zugang zur Religion. Weil die Unsicherheit so groß ist, freuen sich viele über vorformulierte Gebete. Vor allem über solche, die man sich leicht merken kann. Martina Liebendörfer hat bei den Gebeten, die sie ausgesucht oder selbst formuliert hat, versucht, wichtige Kriterien einzuhalten: Zum einen sollen sie kurz sein, nicht mehr als vier Zeilen. Am liebsten hat Martina Liebendörfer die Reimform. „Lieber Gott, segne flott“, zum Beispiel. Kurz, gereimt und auch noch humorvoll. Denn Spaß machen soll es eben auch. Und wer schon mal einjährige Zwillinge versorgen musste, der ist dankbar um flotte Gebete. Es hilft auch, wenn Dinge ganz konkret benannt werden. Der Dank gilt dann eben nicht einfach dem Essen, sondern dem Saft, dem Gemüse und dem Brei.
Ein ganz wichtiger Aspekt im Gegensatz zu Morgen- und Abendgebeten ist der Gemeinschaftscharakter von Tischgebeten. „Es geht um mich und um uns.“ Die Tischgemeinschaft ist immer größer als das Ich. Von dieser Gemeinschaft soll sich aber niemand unter Druck gesetzt fühlen. Sätze wie „Jetzt los, Max, bete du auch mal“, sind für Martina Liebendörfer nicht in Ordnung. Wer nicht beten will, der muss auch nicht. Allerdings müssen Kinder schon akzeptieren, dass die Eltern dann das Gebet sprechen.
Manchmal geht es aber auch umgekehrt: Martina Liebendörer erzählt von einer Mutter, die ein Kind hatte, das überall beten wollte, wo es um Essen ging: Egal ob sie ein Bonbon lutschte oder beim Metzger eine Wurstscheibe bekam. „Kinder fahren einfach darauf ab, wenn etwas ritualisiert wird“, ist Martina Liebendörfers Schlussfolgerung daraus.

Ein schön gedeckter Tisch macht Freude. Foto: magicpen/pixelio.de

Singen, Klatschen, Bewegungen ausführen. Tischgebete können richtig Spaß machen. Sie wecken Dankbarkeit und Freude, und werten das Mittagessen auf. Zu Tisch sitzen ist eben mehr als Nahrungsaufnahme. Allerdings muss man sich manchmal überlegen, ob man auch außerhalb der Familie solche Rituale einhält. Wenn die gesamte Familie im Gasthaus das Tischgebet singt, kann es zwar manchmal sein, dass der Nachbartisch miteinstimmt, sicher ist das aber nicht.
Martina Liebendörfer hat in vielen Mutter-Kind-Gruppen erlebt, dass in vielen Familien jeder zu einem anderen Zeitpunkt isst. „Da geht so viel verloren“, sagt sie. Denn das gemeinsame Essen sei ein Ort des Austausches. Was ist in der Schule passiert? Wie geht es dir im Sport beim Musikunterricht? Die Essenszeiten geben dem Leben Struktur und Rhythmus. Die Tischgebete geben der Mahlzeit Struktur und Rhythmus. Und Martina Liebendörfer ist überzeugt, dass Regeln und Rhythmus wichtig sind. Sie führen Kinder wie ein Geländer. Der Mensch ist auf Rhythmus angelegt: in der Musik, in Gedichten, im Wechsel von Tag und Nacht, im Wechsel der Jahreszeiten und der Kirchenjahres. „Zu wissen, was passiert, hilft“, sagt Martina Liebendörfer. Uferloses, nach allen Seiten offenes Leben falle Kindern schwer.
Wichtig sei allerdings schon, sich dem Alter der Kinder anzupassen. Einfache Reime sind nichts mehr für Pubertierende. Mit älteren Kindern könne man dagegen vielstimmige Lieder singen. Martina Liebendörfer selbst hat mit ihren älteren Kindern eine Zeit der Stille vor dem Essen eingeführt. Und wenn die Jugendlichen gar nicht mehr mitmachen wollen, „beten die Eltern und die Kinder halten es aus“.

Tipps zum selber beten:

  • Wer sich Gebete selbst ausdenken will, dem rät Martina Liebendörfer, das Lieblingsessen der Kinder einzubeziehen und zu nennen, oder auch die Lieblingsgetränke. Man kann sich auch selbst Kärtchen anfertigen mit Gebeten und den entsprechenden Symbolen, so dass auch Kinder, die noch nicht lesen können, sich ein Gebet wählen können.
  • Eine gute Idee sei auch, bestimmte Festen oder besondere Tage in Gebete aufzunehmen oder drauf Bezug zu nehmen.
  • Noch lustiger ist es natürlich ein Gebet nicht nur zu sprechen, sondern im Rap mit Rhythmus zu unterlegen, dazu zu klatschen oder Bewegungen zu machen. Zum Beispiel: auf den Nachbarn zeigen, den Bauch zu reiben oder Geräusche dazu zu machen. Viele Gebete funktionieren zum Beispiel auch auf die Melodien von bekannten Kinderliedern wie „Alle meine Entchen“ oder „Kommt ein Vogel geflogen“. So kommt gleich mehr Pfiff ins Beten.
  • Bei alldem gilt aber: Ja nicht zu lang werden lassen. Das Essen darf nicht kalt werden und sonst macht es keinen Spaß mehr.
  • Alles, bei dem Kinder selbst aktiv werden können, ist gut: Der Klassiker, der Gebetswürfel, funktioniert daher immer noch.
  • Wer sich jetzt überlegt zur Fastenzeit mit Tischgebeten zu beginnen, der nutzt eine optimale Gelegenheit. Allerdings sagt Martina Liebendörfer: Dann sollte man auch über Ostern dabei bleiben. Denn sieben Wochen Tischgebete, das sei für den Familienrhythmus nicht sinnvoll. Wenn dann muss man es beibehalten.
  • Für die Karwoche hat Martina Liebendörfer eine ganz eigene Idee: Auf einem Kerzenständer mit sieben Kerzen wurde von Palmsonntag bis Karsamstag jeden Tag eine Kerze ausgeblasen. Erst am Ostersonntag brannten wieder alle sieben Kerzen. „Noch heute ist für meine Kinder Ostern, wenn alle Lichter brennen“, sagt Martina Liebendörfer.

 

Tipps für den Alltag


Beten macht Spaß. Foto: schemmi_pixelio.de

Geschmack am Beten finden

Lust auf Tischgebete bekommen? In einer Kooperation mit dem katholischen Portal www.tischgebete.de wird zur Fastenzeit über das Beten zu Tisch nachgedacht.

Über die Internetseite www.tischgebete.de/mitmachen kann man sich zudem Tischgebete per E-Mail schicken lassen oder ganz praktisch herunterladen.

Übrigens: Sie können auch selbst Tischgebete einschicken. Schreiben Sie an alexander.schweda(at)luthers-familienzeit.de oder gehen Sie auf www.tischgebete.de/mitmachen/gebete-und-geschichten-einsenden/.
Unter den Einsendern werden Kochbücher verlost.

Wie kann ich mitmachen?

ERSTE MÖGLICHKEIT:
Liken auf www.facebook.com/Tischgebet oder E-Mail-Adresse eintragen auf http://www.tischgebete.de/mitmachen/newsletter/

ZWEITE MÖGLICHKEIT:
Teilen Sie während der Aktion Ihre eigenen Tischgebete und Erfahrungen mit anderen. Erzählen Sie inspirierende, interessante oder unterhaltsame Geschichten, Gebete, Ideen, Kommentare und Bilder. Schreiben Sie selbst ein kurzes Tischgebet!

Mitmachen lohnt sich: In jeder Fastenwoche wird ein Familienkochbuch verlost. Texte können direkt auf www.tischgebete.de/mitmachen/gebete-und-geschichten-einsenden/ eingetippt und hochgeladen werden. Die redaktionell bearbeiteten Einsendungen sind dann zu sehen unter: www.tischgebete.de/category/beten-zuhause/

WEITERE IDEEN AUF TISCHGEBETE.DE:

  • Ideen für christliche Familien mit Kindern zu: Ritualen, Tischkultur zuhause, Fastenzeit, Beten mit Kindern, bewusste Ernährung;
  • außerdem eine große Sammlung von Tischgebeten  downloadbar

 

Tischgebete: Kärtchen im Kästchen

Das Gebetskästchen von Martina Liebendörfer mit 14 Tisch und Abendgebeten gibt es für vier Euro bei den evangelischen Frauen zu bestellen. Die Kärtchen sind in einer Visitenkartenbox, haben auf de Vorderseite ein Gebet und auf der Rückseite ein farbiges Symbol, abgerundete Ecken, sind laminiert und abwaschbar.

Bestellung unter Telefon 0711-229363-248; E-Mail: heide.bulter-spanu(at)elk-wue.de

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