Tischmutter – das unbekannte Wesen

Tischmütter beim Konfi-3- Unterricht: Sind das Hobby-Theologen, Freizeit-Pädagogen, Superchristen? Was bewegt Mütter - und ab und zu auch einen Vater - achtjährigen Kindern einmal in der Woche Themen wie „Taufe“ oder „Abendmahl“ näherzubringen?

Alle an einem Tisch: Beim Konfi-Unterricht lernt man Menschen, familien und Kirchenleute kennen. Foto: Raphael-Reischuk_pixelio_Festtafel

Sabine S. etwa hat es als Möglichkeit gesehen, die eigene Position zu Kirche und Glauben zu überprüfen. Welche Bedeutung würde sich wohl für sie selber und die ganze Familie aus ihren Erfahrungen als „Tischmutter“ ergeben? Als erstes wohl die Chance, engeren Kontakt zur Kirche und der eigenen Gemeinde zu bekommen.  Und das oft nach einer sehr langen, kirchenfernen Phase.

So war es auch bei Kirsten B. und Astrid G., die sich vorher nicht kannten, inzwischen sehr gut befreundet sind und beide als Neuzugezogene die Möglichkeit sahen, über das Angebot Konfi 3 andere Familien und gleichaltrige Kinder kennenzulernen. Gemeinsam haben sie für ihre beiden Töchter und vier andere Kinder den Konfi 3- Unterricht gestaltet. Aus diesem zeitlich befristeten Einsatz wurde bei ihnen schließlich ein dauerhaftes Engagement in der Gemeinde.

Als Neu-Stuttgarterin war es auch für Renée B. damals eine gute Gelegenheit, die Gemeinde und andere Familien kennenzulernen. „Wir kannten ja niemanden hier“, erzählt sie, „durch das halbe Jahr Konfi 3 hat sich das schlagartig geändert.“  Inzwischen besucht ihr Sohn den Konfirmandenunterricht und hat dort viele der einstigen Konfi 3- Gefährten wiedergetroffen.

Der Tübinger Professor für Religionspädagogik, Friedrich Schweitzer, hat im Auftrag der württembergischen Landeskirche das Konfi 3- Modell wissenschaftlich untersucht. Mehr als die Hälfte der in der Studie befragten Eltern gab an, dass ihnen die ehrenamtliche Mitarbeit gut tue; und knapp 50 Prozent hatte durch Konfi 3 zum ersten Mal überhaupt wieder intensiveren Kontakt zur Kirche.

Die Freundin hat sie überredet

„Also, mich hat meine Freundin überredet“, sagt Anke B. Als beim Informationsabend für Eltern zu Konfi 3 niemand so recht den Job als „Tischmutter“ übernehmen wollte, hat sie schließlich dem resoluten Zureden der Freundin nachgegeben. So sei sie als Katholikin Tischmutter bei den Evangelischen geworden, erzählt sie schmunzelnd.

So schnell kann es also gehen.  Ähnlich war es auch bei Anna H. Sie war durch das Schreiben, mit dem der Pfarrer zum ersten Konfi 3 – Elternabend eingeladen hatte, neugierig geworden, denn darin hatte er das Konfi 3 – Modell fast entschuldigend mit den Worten vorgestellt, dass es sich dabei nicht um ein neues Putzmittel oder gar um einen neuen Fleckenentferner handeln würde. Ganze drei Mütter hatten sich schließlich  eingefunden, um mehr zu erfahren. Um das Projekt überhaupt starten zu können, müssten sich Erwachsene aus dem Umfeld der Kinder, also bevorzugt Eltern oder Großeltern, bereit erklären, den Konfi 3 – Unterricht zu geben, hörte  Anna H. an dem Abend.

Aus drei interessierten Müttern wurden am Ende drei Tischmütter, die dennoch keine so rechte Ahnung hatten, auf was sie sich da eigentlich eingelassen hatten.  Zumal auch die Jobbezeichnung nicht wirklich erhellend ist. Was soll man sich denn unter dem Begriff „Tischmutter“ vorstellen? Die Konfi 3 –Stunden hätten bei ihnen zu Hause im Flur auf dem Boden im Kreis sitzend stattgefunden, berichtet Anke B., mit „Tisch“ sei da rein gar nichts gewesen. Weshalb sie dringend anregt, die Bezeichnung so zu verändern, dass sich zumindest jedermann etwas darunter vorstellen könne. 

In der katholischen Kirche begleiten Kommunionmütter die Kommunionkinder. Foto: Klaus-Rupp_pixelio_Kommunionkind

Die katholische Kirche bindet seit langem Eltern (und damit Laien) in die religiöse Erziehung der Kinder mit ein, wie der Vorbereitungsunterricht zur Erstkommunion zeigt. Auch hier heißen die Katecheten im Übrigen „Tischmütter“. Vor rund zehn Jahren hat die evangelische Landeskirche in Württemberg erkannt, dass ein entsprechender Unterricht im Rahmen von Konfi 3 die große Chance bietet, Eltern bei der (Glaubens)Suche zu begleiten und zu unterstützen. Grundsätzliches Interesse an Glaubensfragen und das Gefühl, dass es genau diese Themen sind, die im Alltag mit Kindern zu kurz kommen, sind für die meisten Mütter der Grund, warum sie die Herausforderung „Tischmutter“ annehmen.

Wobei der Begriff „Tischmutter“  nicht diskriminierend gegenüber den Vätern gemeint ist, sondern die Wirklichkeit widerspiegelt.  Kinder und Kirche werden auch heute noch nur allzu gerne den Frauen überlassen. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber es sind eben Ausnahmen. Die Frage, ob und wie christlicher Glauben in der Familie heute überhaupt gelebt wird, treibt doch viele Eltern um.  Oder besser gesagt: viele Mütter. Sie geben sich Mühe bei der christlichen Erziehung, ihnen gelingt es aber nur schwer, Formen zu finden, die für sie und die Kinder gleichermaßen passen. Daher sind sie dankbar für Unterstützung und Anregung.

Um „Tischmutter“ zu werden, braucht es also keine besonderen Vorkenntnisse oder gar den Nachweis jahrerlangen kirchlichen Engagements. Die meisten Pfarrerinnen und Pfarrer sind froh, wenn sich beim ersten Informationsabend überhaupt genügend Interessenten melden.

Dieses Problem kennt auch die katholische Kirche. Weil sich die Suche nach den Tischmüttern äußerst zäh gestaltet habe, habe sie sich breitschlagen lassen, erzählt Susanne R. Sie sei aber auch wirklich neugierig auf die Katechese gewesen, habe die nötige Zeit und vor allem Lust gehabt, sich in diesem Bereich zu engagieren. Dass für sie ihre künftige Mit-Tischmutter keine Unbekannte war, machte ihr die Entscheidung gewiss leichter. Seitdem gehört Susanne R. bei der katholischen St. Antonius-Gemeinde in Stuttgart-Hohenheim fest zum Erstkommunionsteam, und das, obwohl ihre beiden Töchter längst aus dem Erstkommunionsalter hinaus sind.

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