Und wie wird eine Mutter zur Tischmutter?

Nun ist man also „Tischmutter“, und wie geht es dann weiter? „Zum Glück gab es einen Ordner mit sehr guten Unterrichtsvorschlägen für die einzelnen Themen“, erinnert sich Renée B. aus der evangelischen Gemeinde Schönberg.

Was passiert in einem Gottesdienst alles? Tischmütter müssen über vieles in der Kirche Bescheid wissen. Foto: sabine-oesterlin_pixelio_Hostie

Damit hatten sie und ihre Mitstreiterinnen eine theologisch-didaktische Grundlage, von der sie ausgehen konnten. Denn in der Regel sind Tischmütter weder Pfarrerrinnen noch ausgebildete Pädagoginnen, sondern Laien. Aber sie sind Mütter und wissen, wie Kinder im Alter von 8 Jahren ticken. Sie wissen auch, dass es schwierig werden kann, Kindern am Nachmittag nach einem anstrengenden Schultag - und womöglich eingeklemmt zwischen Fußballtraining und Klavierunterricht - etwas zur Taufe oder zum Abendmahl zu erzählen.

Dass dann manchmal der Grad der Aufmerksamkeit gegen Null geht, parallel dazu aber das Herumgehampel und das Herumblödeln ansteigen. Ist die Gruppe sowieso schon sehr groß, ist das Unterrichten echte Schwerstarbeit. Deshalb rät Renée B., lieber mehrere kleine Gruppen zu bilden und maximal fünf Kinder in eine Gruppe aufzunehmen. Dann benötigt man natürlich wieder mehr Tischmütter, denn zwei pro Gruppe sollten es schon sein.

Außerdem braucht es schon eine gehörige Portion Fantasie und Erfindungsgeist, um die einzelnen Unterrichtsstunden trotz guter Vorlagen und Unterrichtsvorschläge nicht nach trockenem Unterricht aussehen zu lassen. Zwar sind die meisten Kinder im Alter von 8 Jahren noch empfänglich für einen kreativen und phantasievollen Zugang zu Fragen des Glaubens, weshalb Singen und Beten, Basteln, Malen  und Geschichtenhören bei den Unterrichtsvorschlägen ganz oben stehen. Das Kneten, Formen und Verzieren der Abendmahls-Brötchen ist ein Highlight. Aber ob eine Stunde gelingt, hat man trotz bester Vorbereitung und Absicht nicht immer im Griff.

Die katholische Mutter kennt nun das evangelische Abendmahl

Dass die Lerninhalte schon lange nicht selber erarbeitet werden müssen, sondern es – gut zehn Jahre nach Einführung von Konfi 3 in Württemberg -  eine Fülle von Vorschlägen zur Gestaltung der einzelnen Stunden sowie Anregungen zum Geschichtenerzählen, Basteln und Spielen gibt, ist das eine; eine solide theologisch-theoretische Einweisung in den Themenkanon von Konfi 3 das andere. Hier sind die Pfarrerinnen und Pfarrer gefragt. Je fundierter diese Vorbereitungsstunden sind, desto kompetenter fühlen sich die Laien-Katecheten hinterher im Unterricht. 

Je enger die Rückkoppelung an die Pfarrerin oder den Pfarrer ist, desto souveräner ist das Auftreten der Ersatz-Lehrer. In der evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-Birkach gibt es diese vorbereitenden Treffen vor jedem der drei Themenkomplexe. Für diese Gesprächsrunden mit ihren Tischeltern nimmt sich Pfarrerin Wilhelm gerne Zeit, denn sie weiß, dass davon Entscheidendes abhängt.  Deshalb hat sie erfahrene Eltern und engagierte Gemeindemitglieder in einem Kompetenzteam für Konfi 3 zusammengeführt, die gemeinsam mit ihr die abendlichen Treffen gestalten. Bei diesen Gesprächen habe sie sehr viel für sich selber gelernt, erinnert Anke B., die katholische „Tischmutter“, sie wisse jetzt mehr über das evangelische Abendmahl als über die katholische Eucharistiefeier.

Auch Astrid  G. und Kirsten B. bestätigen, dass sie durch ihr Engagement als Tischmutter mit lange verschüttet geglaubten Glaubensinhalten in Berührung gekommen seien. Denn es ist ja gerade wegen ihrer Kinder, dass Mütter wie Anke B., Astrid G. oder Kirsten B. bereit, motiviert und offen waren, sich mit Fragen des Glaubens auseinanderzusetzen, sich überhaupt auf die Thematik einzulassen. 

Und wer kennt alle Sakramente?

Aber wer bitteschön weiß denn aus dem Stegreif, wie viele Sakramente die evangelische Kirche kennt? Und was ein Sakrament als solches auszeichnet? Oder ab wann in der Geschichte der Kirche Kinder zur Eucharistie bzw. zum evangelischen Abendmahl zugelassen wurden? Und was haben wir Eltern und die Taufpaten noch gleich  bei der Taufe versprochen? Und wie hängen Taufe und Konfirmation zusammen? Fragen über Fragen. Hier ist bei den meisten Tischmüttern eine gewisse Nachschulung erforderlich.

Reine Basteltreffs sind zu wenig

Fehlt jedoch diese professionelle Begleitung und Vorbereitung durch die Pfarrerin oder den Pfarrer, kommt es bei den „Tischmüttern“ rasch zu Negativerlebnissen und Frust. Sie habe sich allein gelassen und nicht ernst genommen gefühlt, berichtet Sabine S. Als Ersatztheologin zu fungieren, ohne dass sich die eigentlich zuständige Pfarrerin für den Unterricht, die Kinder und die ehrenamtlich tätigen „Tischmütter“ zu interessieren schien, das hat sie der Gemeinde noch weiter entfremdet. Dabei hatte sie sich von ihrem Engagement einiges erhofft. Für sich und ihre Tochter. Anfangs habe sie sich sogar überlegt, ihre Tochter am Ende der sechsmonatigen Konfi 3- Zeit  taufen zu lassen. 

Dass daraus nichts geworden ist, hängt ganz wesentlich mit ihren Frusterfahrungen zusammen.  Denn reine Basteltreffen, so Sabine S.,  könne man jederzeit auch unter einem anderen Motto stattfinden lassen, dazu benötige man das Thema Glauben und Kirche nicht.

Zeitpunkte

Tipps für Familien

Zeiträume

Themen für Familien