Das christliche Profil: Was ist das?

Wie kann das christliche Profil einer Schule nach außen sichtbar gemacht werden?  Wie kann sich eine christliche Schule als „qualitativ gute“ Schule positionieren und sich zugleich gegenüber (bekenntnisfreien) staatlichen Schulen profilieren? Für die Verantwortlichen der christlichen Schulen stellt sich hier die Doppelaufgabe von Qualitätsentwicklung und Profilbildung.

Wie baue ich an meinem Profil und was können Eltern erkennen? Foto: BirgitH_pixelio

Das eigene Profil wird gesucht zwischen den Polen „gute Schule“ und spezifischem Profil, wobei bei letzterem versucht wird, als evangelische oder katholische Schule deutlich erkennbar zu sein. Dies ist leichter gesagt als getan. Denn die Unterschiede bei den Zielen und großen Leitlinien katholischer und evangelischer Schulen sind marginal und für Laien nicht wirklich zu erkennen.

Was katholische Schulen wollen

Auf katholischer Seite gilt die Grundüberzeugung von der personalen Würde des Kindes und Jugendlichen, die theologisch damit begründet wird, dass Gott den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hat. Daraus wird ein ganzheitliches Bildungsverständnis abgeleitet, das die Entwicklung der einzelnen Persönlichkeit in kognitiver, emotionaler, sozialer und religiöser Hinsicht zum Ziel hat.

Entsprechend versteht sich etwa das katholische Mädchengymnasium St. Agnes in Stuttgart als „Wertegemeinschaft“ und setzt sich die Entfaltung der Persönlichkeit der ihm anvertrauten Kinder und Jugendlichen mit all ihren Fähigkeiten und Begabungen zum Ziel.

Was evangelische Schulen wollen

Schulen in evangelischer Trägerschaft berufen sich auf ein „christliches Menschenbild“, sie wollen „Schulen gelebten Glaubens“ sein  und sehen sich dem „Dienst am Nächsten“ verpflichtet. Als Leitbild formuliert etwa das evangelische Heidehofgymnasium einen ganzheitlich ausgerichteten Erziehungsansatz, der den ganzen Menschen im Blick hat und alle Sinne und Begabungen fördert.

Dieser schlägt sich etwa in einer Erweiterung des gymnasialen Angebots im musisch-ästhetischen Bereich nieder, wobei Musik, Bildende Kunst und eine intensive Theaterarbeit besondere Schwerpunkte bilden. Sein diakonisches Bildungsverständnis sowie den „Dienst am Nächsten“ löst die Schule durch eine Kooperation mit einer Förderschule ein und den für Schüler verpflichtenden Sozialpraktika. Hier werden in den Zielen und Leitlinien der beiden Konfessionen doch große Übereinstimmungen deutlich.

Dass Eltern an Privatschulen in den Lern- und Schulalltag ihrer Kinder stärker eingebunden werden als an staatlichen Schulen, ist bekannt. Doch weniger bekannt ist, dass dies in der Regel einem bewussten Programm der Schule entspricht, in dem die Erziehungspartnerschaft von Eltern und Lehrern propagiert und ernst genommen wird. Das ist für beide Seiten eine große Herausforderung und Chance. Darin drückt sich die gemeinsame Verantwortung von Elternhaus und Schule bei der Erziehung der Kinder aus. Denn eine Erziehungspartnerschaft kann nur gelingen, wenn ein pädagogischer Grundkonsens darüber besteht, dass Bildungs- und Erziehungsaufgaben am besten gemeinsam erfüllt werden.

In dieser Hinsicht ist es für christliche Privatschulen ein großes Plus, dass sie sich ihre Lehrer und Eltern selber aussuchen können. Bei der Aufnahme eines Kindes kann so die Haltung der Eltern zu einer an christlichen Werten orientierten Erziehung und Bildung berücksichtigt werden. Dies bedeutet aber nicht, dass ein dezidiert missionarischer Auftrag, wie er etwa bei den evangelikalen Bekenntnisschulen anzutreffen ist, verfolgt wird.  Dass das katholische Mädchengymnasium seiner Tochter auf genau diesen missionarischen Eifer verzichtet und sich damit begnügt, christliche Werte zu vermitteln, war für Heiko B. zum Beispiel mit ausschlaggebend für die Schulwahl.  

„Eine Gesellschaft, die sich von ihrer Erziehungsverantwortung verabschiedet, lässt Beziehungslosigkeit entstehen, bereitet den Boden für egoistischen Individualismus, bis hin zur Gewaltbereitschaft“, schrieb das Zentralkomittee der Deutschen Katholiken bereits 1989. Die Erziehung zu verantwortungsvollen Staatsbürgern ist daher das erklärte Ziel in allen bildungspolitischen Erklärungen. Dies setzt jedoch eine ethische Grundhaltung voraus. Hier können katholische und evangelische Schulen mit ihrer religionssensiblen Schulkultur, die auch viele außerschulische Angebote wie Arbeitsgruppen, Andachten, Schulgottesdienste sowie den kommunikativen Umgang miteinander umfasst, ihren ganz eigenen Beitrag leisten.

Der besondere Stellenwert des Faches Religion, das verpflichtend bis zum gewünschten Abschluss belegt werden muss und nicht abgewählt oder durch ein Fach wie Ethik ersetzt werden kann, und damit auch der Religionslehrkräfte sowie vielfache themenspezifische Kooperationen zwischen dem Religionsunterricht und anderen Unterrichtsfächern sind hierbei ein zentraler Baustein.

Dass da, wo „privat“ drauf steht, auch immer nur Gutes drin ist, ist natürlich ein Trugschluss. Dennoch sind viele Eltern bereit, für den Bildungssonderstatus ihrer Kinder tief in die Tasche zu greifen. Denn den Fehlbetrag zu den staatlichen Zuschüssen zahlen sie über das Schulgeld. Bei (staatlich anerkannten) Ersatzschulen werden bis zu 200 Euro im Monat als rechtlich zulässig und zumutbar angesehen. Dass die Besitzverhältnisse der Eltern kein Ausschlussgrund sein dürfen, wurde im Grundgesetz festgeschrieben. Viele Privatschulen staffeln daher ihr Schulgeld, bieten Geschwisterermäßigungen und Stipendien an. So ist es ein weit verbreitetes Vorurteil, dass nur Kinder aus reichen Elternhäusern Privatschulen besuchen. Dennoch gibt das Schulgeld gerade bei christlichen Privatschulen immer wieder Anlass zu Diskussionen. Und längst nicht alle Schülerinnen und Schüler von katholischen und evangelischen Privatschulen kommen aus besonders christlichen Elternhäusern. Viele Eltern entscheiden sich aus ganz pragmatischen Gründen wie die gute Erreichbarkeit, die Fremdsprachenfolge oder das Hortangebot für eine Privatschule in christlicher Trägerschaft. Den christlichen Mehrwert nehmen sie dann einfach billigend in Kauf, zumindest, so denken sie, schadet er ja nicht.


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