„Das Einzige, was Omas schenken müssen, ist Zeit“

Wenn Ingrid Schiele (58) über ihre beiden Enkeltöchter und den Enkelsohn spricht, leuchten ihre Augen. Die Großmutter hat jede Phase in ihrem Leben intensiv mitbekommen. Gerne teilt sie ihre Erfahrungen und Ansichten mit frischgebackenen Eltern.

Das wichtigste Gut von Großeltern ist Zeit zu haben. Foto: angieconscious_pixelio

1. Die richtige Zeit ist immer

„Meine Tochter war erst 21, als sie zum ersten Mal Mutter wurde, ich gerade 44. Egal! Wir haben uns sehr gefreut“, berichtet sie. „Es war auch klar, dass ich helfe, wo ich kann – wie meine Mutter es damals für mich getan hatte.“ Ob mit 40, 60 oder 80, sagt sie, wichtig ist, dass Eltern und Großeltern in spe ihr gutes Verhältnis pflegen. Dass sie offen über ihre Bedürfnisse und Vorstellungen sprechen, die andere Generation anderen achten und sich einig sind: Gemeinsam geht Erziehen besser.

2. Wenn Mama und Papa Nein sagen … sagt Oma auch Nein

„Wenn die Mama etwas verboten hat, darf es die Oma nicht erlauben“, nennt Schiele einen ihrer Grundsätze. Darf das Kind bei der Oma all das essen, angucken und kaufen, wozu die Eltern Nein sagen, gefährdet das den Familienfrieden. „Vielleicht müssen sie bei mir nicht so schnell wieder aufräumen wie zuhause“, räumt sie ein, „aber bei den grundsätzlichen Dingen sind meine Tochter und ich uns einig.“ Außerdem tue es Kindern ausgesprochen gut, Grenzen gesetzt zu bekommen.


3. Großeltern müssen nicht immer alle Enkel nehmen

Ein Enkelkind kommt selten allein. Haben Oma und Opa eines gerne bei sich, muss das noch lange nicht heißen, dass sie irgendwann regelmäßig drei, fünf oder sieben Enkel gleichzeitig bespaßen. „Großeltern sind ja auch eher ängstlicher als Eltern“, gibt Schiele zu bedenken, „und bei mehreren auf einmal gibt es außerdem immer Streit.“ Sie hat von Anfang an genossen, jedes Enkelkind einzeln zu sich zu holen – „Geschwisterkindern gefällt das schon auch, mal allein unter Erwachsenen zu sein.“

Auch Vorlesen gehört dazu. Foto: redsheep_pixelio

4. Kreativ sein macht alle glücklich

Kleine Kinder gehen noch gern spazieren, basteln mit Blättern, Eicheln und Kastanien. Größere Kinder erfinden mit Omas Hilfe eigene Lieder, deren Texte und Melodien sie nie wieder vergessen. Schüler helfen in der Küche – „dann dauert der Kuchen eben eine Stunde statt der halben, die ich alleine benötigt hätte. Na und?“ Teenager lieben es, mit Oma zum Stadtbummel, ins Kino oder Spaßbad zu gehen. „Selbst wenn sie ab einem gewissen Alter nicht mehr viel kuscheln und beim Kleiderkaufen einen anderen Geschmack haben“, weiß Schiele, „man merkt doch, wie sie die gemeinsamen Unternehmungen genießen. Und ich genieße sie auch.“

5. Lieber Zeit schenken als ein Smartphone

Der Beruf und das Ehrenamt fordern, zum Sport wollte man auch mal wieder und ach, der Garten … Das hat Zeit, sagt Schiele lächelnd: „Ich kann allen nur empfehlen, lassen Sie andere Dinge liegen und genießen Sie die Zeit mit den Enkeln.“ Erstens sei der Spruch „Sie werden so schnell groß“ einfach wahr. Zweitens trägt die Beziehung zwischen Oma und Enkel umso besser, je früher sie geknüpft wurde. Drittens ist Unterstützung oft das wertvollste Geschenk für müde junge Eltern. Viertens können Großeltern so ihre Lebenserfahrung, ihre Werte, ihre Liebe teilen. „Das Einzige, was Omas schenken müssen“, betont sie, „ist Zeit“.  Und dafür bekommen sie viel Liebe, Lachen und Phantasiegeschichten zurück. 

Oma wird geliebt. Foto: Markus-Arndt_pixelio.de

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