Ganz bewusst für die Familie da sein

Das Image des Wortes „Hausfrau“ ist so schlecht, dass sogar der Deutsche Hausfrauen-Bund seinen Namen aktualisierte – seit 2009 heißt er DHB Netzwerk Haushalt Berufsverband der Haushaltsführenden e. V. Dabei ist umsichtiges Hauswirtschaften und Familienarbeit so wertvoll wie eh und je, betont die Vorsitzende des Landesverbands Berlin Monika Wittkowski im Interview.

 

Hausfrau ist einBeruf. Foto: Rainer-Sturm_pixelio

Wie halten Sie entgegen, wenn Sie Vorurteile hören wie: Wer Hausfrau oder Hausmann ist, will nur nicht arbeiten?

Monika Wittkowski: Diejenigen, die so reden, frage ich: Haben nicht unsere Großmütter und Mütter einen guten Job gemacht? Vielleicht sollten sie das einfach mal selbst ausprobieren Außerdem: Wird nicht auch der Haushalt von voll Berufstätigen von irgendjemandem geführt? Jemand muss Ordnung halten, sich um die Wäsche kümmern, kochen, einkaufen. Wenn Kinder da sind, muss jemand für sie da sein. Wenn beide Partner voll arbeiten, erledigen sie das entweder zusätzlich zur Erwerbstätigkeit und haben sehr lange Tage. Oder die Großeltern helfen, oder es gibt Personal.

Politikerinnen sagen doch immer wieder, Karriere und Kind gleichzeitig – alles eine Sache der Organisation.

Wäsche aufhängen: Wer macht`s? Foto: Marco-Karch_pixelio

Monika Wittkowski: Wenn ich mit berufstätigen Müttern spreche, höre ich immer wieder von Überforderung, weil die Kollegen kaum Rücksicht auf ihre Familiensituation nehmen. Und wie leicht findet man eine wirklich gute Ganztagsbetreuung? Selbst wenn – bei Krankheit oder Streik müssen Eltern sich wieder neu organisieren. Zudem verdienen die meisten Mütter nicht so wie Politikerinnen, haben eine ungünstige Steuerklasse und die Rentenzukunft ist sowieso nicht rosig. Wieso sich also verbiegen? Vor allem, wenn mehrere Kinder da sind. Wieso nicht ganz bewusst ganz für die Kinder da sein?

Wie haben Sie es gehandhabt?

Monika Wittkowski: Ich kenne alle Seiten. Nach der Schule wurde ich Friseurin, war später berufstätige Mutter, dann, mit drei Kindern plus Stiefkind, Mutter und Hausfrau in Vollzeit. Auch alleinerziehend war ich. Was in der Familie meine Aufgaben waren, wurde mein Beruf: Ich machte die Ausbildung zur Hauswirtschafterin. Der Beruf bietet übrigens mehr Möglichkeiten, als viele ahnen: Man kann in die Hygiene- und Ernährungsberatung gehen, hauswirtschaftliche Betriebsleiterin werden, später Ökotrophologie studieren oder, so wie ich, den Meister machen und in die Ausbildung gehen. Hauswirtschaft ist vielseitig und erfüllend! Unser Verband, der 2015 100 Jahre alt wurde, setzt sich ja schon lange dafür ein, dass das Fach in allen Schulen gelehrt wird. Dann wäre das Image der Hauswirtschaft bald ein besseres.
 

Aktuell gibt es bei vielen Paaren Streit rund um den Haushalt einerseits, ums Geld andererseits. Was raten Sie?

Monika Wittkowski: Ich empfehle jungen Paaren vor der Familiengründung: Besprechen Sie offen, wie Sie sich das Zusammenleben vorstellen. Will die Frau längere Zeit zuhause bleiben? Dann sollte der Mann für sie in eine Altersvorsorge einzahlen und wertschätzen, was sie alles leistet. Wollen beide sich die Aufgaben rund um Haushalt, Erziehung und Geldverdienen aufteilen? Dann helfen Planungen, wer für was zuständig ist. An die Pläne müssen beide sich halten. Ein Problem: Frauen wünschen sich, dass ihre Männer alles so erledigen, wie sie selbst es tun würden. Männer haben aber einen anderen Ordnungssinn. Frauen sollten sich vom Perfektionismus verabschieden. Andererseits ist bei vielen Männern auch noch in den Köpfen, dass Hausarbeit Frauenarbeit ist. Da muss man immer wieder darüber sprechen und Geduld miteinander haben. Ich sehe auch immer mehr Paare, wo das Aufteilen der Hausarbeit gut klappt – übrigens gerade bei älteren Semestern.

Der Hausfrauenverband ist schon 100 Jahre alt. Foto: Anna-Zerenyi_pixelio

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