Hausfrau und Mutter – das Netzwerk managen

Nein, die Zeit, die sie mit ihren Kindern verbracht hat, möchte sie um nichts in der Welt missen, sagt Julia Hagen (Namen geändert). Ganz  bewusst habe sie sich damals dafür entschieden, als Mutter und Hausfrau zu Hause zu bleiben. Eine Entscheidung pro Kind.

Hausfrau und Mutter: eine Rolle, die in Verruf geraten ist - zu Unrecht. Foto: erysipel_pixelio.de

Es war nicht nur eine Entscheidung pro Kind, sondern zunächst auch gegen den Beruf, die Karriere. Julia Hagen ist Akademikerin, verheiratet, und hatte nach Referendariat und zweitem Staatsexamen eine befristete Assistentenstelle an einer deutschen Universität. Dann wurde sie schwanger, ihr Arbeitsvertrag lief aus, der Ehemann nahm einen Job in Stuttgart an. Es folgten Umzug, Geburt der Tochter und die neue Rolle als Mutter.

Da der Arbeitsplatz ihres Mannes ganz in der Nähe der Wohnung lag und er häufig seine Arbeitszeiten flexibel gestalten konnte, war er in Notfällen rasch zur Stelle und konnte die junge Mutter ein wenig entlasten. Dennoch war diese Zeit für Julia Hagen nicht einfach.  Sich in einer völlig neuen Umgebung ohne soziale Kontakte zurechtzufinden, sei schwierig gewesen, sagt sie im Rückblick. Besonders schmerzlich habe sie das fehlende familiäre Netzwerk vermisst, denn die Großeltern wohnten in Norddeutschland.

Anschluss in der Krabbelgruppe gesucht

Anschluss suchte sie mit ihrer Tochter in Krabbelgruppen, wo sie auf Frauen traf, die sich wie sie fürs Zuhausebleiben entschieden hatten. An einen Wiedereinstieg in den Beruf habe sie in den ersten drei Lebensjahren der Tochter nie gedacht; zu wichtig erschien es ihr, in der sensiblen Phase der frühkindlichen Bindung als Mutter präsent zu sein. Erst als das Kind im Kindergartenalter war, sei ihr dieser Gedanke überhaupt gekommen. Doch dann kam die zweite Tochter auf die Welt, und die Karten waren neu gemischt.
Nach fast vier Jahren zu Hause sei sie nach der Geburt des zweiten Kindes irgendwie fast automatisch und ohne großes Nachdenken in diese ausschließliche Mutter- und Hausfrauenrolle hineingerutscht, erzählt Julia Hagen. „Es hat sich halt so ergeben“. Aus einer gedachten (und vielleicht auch  erhofften) temporären Lebensform wurde so bei ihr ein Dauerzustand.  Heute würde sie Lehrerin werden und die großzügige Beurlaubungsregelung für Beamtinnen  in Anspruch nehmen, verrät sie. „Für Frauen mit Kinderwunsch ist das doch das Beste, was einem passieren kann.“

Wenn der Arbeitgeber lockt

Manchmal ist es auch der Arbeitgeber, der nicht locker lässt und auf eine nette, aber bestimmte Art die Rückkehr an den alten Arbeitsplatz einfordert. Eine ihrer Freundinnen hatte einen solchen Fürsprecher, sie ist als Beamtin nach einer langen familiär bedingten Auszeit an ihren alten Arbeitsplatz zurückgekehrt.  Ideal wäre auch ein familiengeführtes Unternehmen im Rücken, mit dem der Zeitpunkt des Wiedereinstiegs und die Arbeitszeiten individuell auf die Bedürfnisse der Familie zugeschnitten werden können.

Nicht jede Frau drängt es in den Job zurück. Foto: Helene-Souza_pixelio.de

Leider habe sie weder Familienbetrieb noch Fürsprecher gehabt, sagt Julia Hagen mit einem verschmitzten Lächeln. Sie hat aber auch keine Notwendigkeit gesehen, das Projekt  Wiedereinstieg anzugehen. Als Grund gibt sie an, dass man sich in den wenigsten Jobs eine mehrjährige Auszeit leisten könne, ohne den (fachlichen) Anschluss zu verlieren. Außerdem habe sie sich mit ihrem Beruf nicht wirklich identifiziert, so dass sie gar nicht erpicht gewesen sei, dort wieder einzusteigen.

Dass die vierköpfige Familie vom Verdienst des Familienvaters sehr gut leben konnte, wird ein weiterer Grund gewesen sein. Es gab keine finanzielle Notwendigkeit für Julia Hagen, auf Jobsuche zu gehen. Die Überlegung, nach einer fachfremden Beschäftigung Ausschau zu halten, hat sie treibt sie dennoch um. Aber nicht um jeden Preis. Julia Hagen sucht keine Beschäftigungstherapie, sondern  eine Tätigkeit, die finanziell honoriert wird und sie ausfüllt.  

Und wo bleibt der Mann?

Überhaupt: der Mann. Wo bleibt er bei diesem Thema?  Selbstkritisch muss Julia Hagen zugeben, dass sie bis auf die ersten Wochen nach den Geburten der Kinder von ihrem Mann so gut wie keine Hilfe oder Unterstützung bei der Familienarbeit und Kindererziehung erhalten hat. „Das hing und hängt noch zu 100 Prozent an mir“, sagt sie. Ihr Mann sorgte in all den Jahren zuverlässig für das Familieneinkommen, pflegte zeitintensive Hobbys und hatte die Familienarbeit an seine Frau übertragen.  Eine  partnerschaftliche Arbeitsteilung im familiären Bereich war kein Thema. 

Konservatives Rollenverständnis? Warum nicht, wenn es einem schmeckt. Foto: Janina-Scholz_pixelio.de

Julia Hagen hat sich daran aber nie ernstlich gestört. Ganz offensichtlich gehörte diese Arbeitsteilung zu ihrem verinnerlichten Rollenverständnis der Geschlechter.  Wie wichtig es für Männer sei, außer dem Beruf eine intakte Familie zu haben, hat sie erst unlängst wieder von ihrem Mann gehört. Unter seinen Kollegen beim Mittagessen sei die Familie häufig Gesprächsthema. „Es ist für diese Männer sehr wichtig, Frau und Kinder zu haben“, sagt Julia Hagen. „Denn: Man punktet als Mann unter Männern, wenn man das vorweisen kann“. Die Familie wird hier  - neben Hobbys, Haus, Auto und Urlaubsreisen – zum Statussymbol.
Innerhalb der eigenen Familie wurde die traditionelle Aufgabenverteilung indes nie in Frage gestellt, weshalb Julia Hagen sich wegen ihrer Festlegung auf die Rolle der Hausfrau und Vollzeitmutter von Mann und Töchtern nie kritische  Fragen oder gar Vorwürfe hat anhören müssen. Es scheint, als hätten alle von diesem Arrangement profitiert.  Selbstzweifel, Rechtfertigungszwang und ungute Gefühle tauchen in der Regel erst dann auf, wenn dieses Modell im gesellschaftlichen Kontext bestehen muss.

So hat auch Julia Hagen ihr Bekenntnis zur traditionellen Rollenaufteilung – sie zu Hause, der Ehemann der Allein-Familienernährer -  lange Zeit keine Probleme bereitet. Das lag auch an der Zeit, in der ihre beiden Töchter aufwuchsen. Zu Recht weist sie darauf hin, dass in den 90er-Jahren von einem (fast) flächendeckenden Angebot an Kitas, Krippen, Betriebskindergärten und Tagesmüttern, wie das heute der Fall ist, keine Rede sein konnte. „Da ist viel in Bewegung gekommen“, konstatiert sie und möchte nicht ausschließen, dass sie sich anders entschieden hätte, wären die Rahmenbedingungen damals anders gewesen.

Vollzeitmutter – ja, aber nur noch für die ersten drei Lebensjahre des Kindes, so lautet ihre (nachträgliche) Selbsteinschätzung. Und was empfiehlt sie ihren beiden Töchtern? „Nach einem Jahr wieder in den Beruf einzusteigen“, rät sie, wenngleich sie einer Vollzeitbeschäftigung mit Kleinkind nach wie vor skeptisch gegenübersteht und einem Teilzeitjob den Vorzug geben würde. In einem bezahlten Job wird die geleistete Arbeit jedenfalls honoriert. Das ist bei der unbezahlten Arbeit als Hausfrau und Mutter nicht der Fall

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