„Kinder lieben Bibel-Geschichten“

Kinder lassen sich von Geschichten begeistern. Hoch im Kurs stehen die Themen Freundschaft, Abenteuer und Tiere. Kann die Bibel da mithalten? Ja, sagt die Theologin Margot Käßmann, die selbst eine Kinderbibel herausgegeben hat.

  

Kinderbibeln sind einfach schön, findet Margot Kässmann. Foto: Rosel-Eckstein_pixelio/privat


Frau Käßmann, warum haben Sie beschlossen, eine Kinderbibel herauszugeben?

Margot Käßmann: Die biblischen Geschichten müssen einfach erzählt werden. Das ist zum einen eine Glaubensfrage, zum anderen aber auch eine Frage der Bildung. Denn wenn wir die Erzählungen der Bibel nicht kennen, können wir unsere ganze Geschichte oder auch  die Architektur vieler Kirchengebäude nicht verstehen.
Außerdem weiß ich als Mutter und Großmutter, dass die Kinder die Bibel-Geschichten einfach lieben.

Was ist aus Ihrer Sicht auch heute noch das Spannende an der Bibel für Kinder?

Margot Käßmann:Viele Themen der Bibel sind für die Kinder ganz aktuell, die kennen sie aus ihrem Alltag, wie zum Beispiel Freundschaft, Treue und Hoffnung, aber auch Angst, Neid und Verrat. Viele dieser Aspekte werden in der Bibel auch für Kinder verständlich erzählt. So vermittelt zum Beispiel die Josefsgeschichte, wie es ist, verraten zu werden, auf sich alleine gestellt und mit der Familie zerstritten zu sein und trotzdem zu hoffen – und am Ende Versöhnung zu feiern.

Ein anderer Aspekt der Bibel, der Kinder begeistert, ist ihre weltweite Bekanntheit. Es ist doch faszinierend, wenn man weiß, dass die Geschichten der Bibel in nahezu allen Ländern der Welt gelesen werden. Das verbindet.

Welche Geschichten der Bibel kommen Ihnen als Kinderlektüre sofort in den Sinn – und warum?

Margot Käßmann: Da gibt es viele, wie die große Flut, der Regenbogen, die Abrahams-Geschichte oder das Buch Jona, der zuerst vor Gott davon läuft, von einem großen Fisch verschlungen wird – und am Ende doch seinen Auftrag erfüllt. Und natürlich sind die Kinder immer gebannt von Jesus und seinen Freunden, von Jesus, der heilt, der Geschichten und Gleichnisse erzählt. Das ist für Kinder meist leicht zu verstehen und ihnen nahe zu bringen. Bei meiner Bibel hatte ich zudem eindrucksvolle Bilder, an denen sich viele Geschichten ganz wunderbar entlang erzählen ließen. 

Welche Rolle spielen die Vorleser der Bibel?

Margot Käßmann: Auf jeden Fall eine große Rolle. Denn die Kinder spüren, ob man eine Geschichte selbst fesselnd und wichtig findet. Vor allem merken sie das, wenn sie Fragen stellen und Antworten bekommen. Ich finde es wichtig, dass wir Bibel nicht nur konsumieren, sondern nachfragen und selber denken. Das ist in meinen Augen sehr reformatorisch – und unterscheidet uns vom Fundamentalismus.

Außer der Bibel - welches aktuelle Kinderbuch können Sie empfehlen?

Margot Käßmann: Mit allergrößtem Vergnügen habe ich zuletzt meiner Enkeltochter das Buch „Superwurm“ von Axel Scheffler und Julia Donaldson vorgelesen. Wie in allen guten Märchen und Geschichten kommt dort nämlich auch die dunkele Seite – in Form einer bösen Echse – vor, die dann später gemeinsam vom Wurm und seinen Freunden besiegt wird. Kinder wissen, dass das Böse und der Tod zum Leben gehören. Das sollte man nicht tabuisieren – das machen auch das Christentum und die Bibel nicht. Das finde ich an unserem Glauben ganz wichtig.




Margaret McAllister, Katrin Göring-Eckardt
Die bekanntesten Frauen der Bibel
Gabriel Vlg.
gebunden, 124 S.
12,99 €

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