Kinder sind keine Maschinen

Alexandra Gaßmann ist neunfache Mutter, Landesvorsitzende des Verbandes kinderreicher Familien in Bayern und Stadträtin der Landeshauptstadt München. Wie packt sie zu Hause die Erziehung ihrer Kinder an? Ist sie eine strenge Mutter oder läuft der Laden von selbst? Einblicke.

Die Liebe gehört immer dazu! Foto: Helene-Souza_pixelio

Was ist in ihren Augen das Wichtigste bei der Erziehung?

Alexandra Gaßmann: Konsequenz und Liebe

Was heißt für Sie eigentlich streng? 

Alexandra Gaßmann: Streng in dem Sinne, wie das in der früheren Zeit gesehen wurde, zum Beispiel die Prügelstrafe,  ist völlig verfehlt. Streng sein in der heutigen Erziehung, bedeutet in meinen Augen eine gewisse Konsequenz und Verlässlichkeit. Kinder müssen ihren Eltern grundlegend vertrauen können. Und Eltern ihren Kindern.

Wenn Eltern Regeln erstellen, dann sollen sie sich selbst auch daran halten. Das gibt Sicherheit, sowohl für den Nachwuchs, als auch für deren Erziehungsberechtigten. Das heißt aber nicht, dass man niemals über ein Regelwerk hinwegsehen darf. Eltern sollen ein gewisses Maß an Liebe und Verständnis für junge Menschen aufbringen.

Finden Sie, dass Sie eine strenge Mutter sind?

Alexandra Gaßmann: Durchaus. Wenn meine Kinder gefragt werden, dann sagen sie immer: „Beim Papa bekommen wir das eher, als bei unserer Mama.“ Mein Mann ist ein sehr liebevoller und nachgiebiger Vater und nicht so streng. Die letztendliche Konsequenz fehlt ihm dann manchmal. Genau das würde ich mir als Mutter jedoch manchmal wünschen. Wenn die Mutter mehr verbietet als der Vater, wirken die Regeln oft sehr eng für die Kinder.

Glauben Sie, dass Gehorsam in großen Familien wichtiger ist?

Alexandra Gaßmann: Ja, weil ich mich unbedingt auf meine Kinder verlassen muss. Wenn man viele Kinder hat, braucht man mehr Regeln, weil man sonst viele Dinge aus den Augen verlieren kann. Ich muss jederzeit und jedem in der ganzen Familie vertrauen können. Vor allem wenn ich nicht zu Hause bin. Dann muss ich mich darauf verlassen können, dass meine Kinder das tun, was vorher besprochen wurde. So wie auch meine Kinder wissen, wenn sie mich anrufen und mich brauchen, dann bin ich immer für sie da.

Mädchen sind bei Papas oft die kleinen Prinzessinnen. Foto: www.helenesouza.com_pixelio

Wenn ich jedoch sage: „Du bist um acht Uhr zu Hause!“, dann verlange ich das auch und dulde auch keine zehn Minuten Verspätung. Funktioniert das nicht, müssen sie das nächste Mal 15 Minuten eher heimkommen. Das erzieht die Kinder zu einer gewissen Pünktlichkeit.

Unsere älteste Tochter war früher sehr unpünktlich und heute ist sie der pünktlichste Mensch. Wenn die Kinder es gewöhnt sind immer zu einer festgesetzten Zeit heim zu kommen und plötzlich sind sie nicht zur vereinbarten Uhrzeit zu Hause, dann mache ich mir Sorgen.

Haben sie einen Tipp, wie man Kinder zum Gehorchen bringt?

Alexandra Gaßmann: Das ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Ich selber habe eine sehr strenge Mutter gehabt, das würde ich bei meinen Kindern vermeiden. Ich denke ein gewisses Mittelmaß zu finden ist der richtige Weg. Das muss jeder selber spüren. Wichtig bei allem ist es, konsequent zu sein. Das kann jeder. Wenn ich meinem Sohn dreimal sage: „Zieh dich an!“, und er macht es immer noch nicht, dann geht er halt im Schlafanzug zum Kindergarten. Er muss die Konsequenzen spüren und vor Augen geführt bekommen, dass jeder seines Glückes Schmied ist.

Mussten Sie bei ihren Kindern verschiedene Grenzen ziehen und unterschiedliche Regeln anwenden?

Alexandra Gaßmann: Jedes Kind ist verschieden, bei neun Kindern ist jedes anders. Diese Unterschiedlichkeit müssen Eltern erkennen. Was für das eine Kind richtig ist, muss für das andere noch lange nicht gut sein. Wenn die eine Tochter länger ausgehen darf, dann vielleicht, weil sie bereits älter ist. Diese Regeln muss man den anderen Kindern erklären.

Wann sollte man streng sein und wann großzügig?

Alexandra Gaßmann: Keine Regel ist unumstößlich. Eltern sollten erkennen, was für jedes einzelne Kind wichtig ist. Wenn Regeln aufgehoben werden, muss man ihm das erklären: „Du kennst die Regeln, wir können heute einmal eine Ausnahme machen.“ Kinder sind Menschen, keine Maschinen, darum muss  Konsequenz und Liebe ineinander fließen. Kinder sind ein Geschenk Gottes und darum müssen Eltern sie formen und zu verlässlichen Menschen erziehen. Vielleicht werden sie eines Tages selbst eine Familie gründen und sagen, ich hatte eine erfüllte Kindheit und darum gebe ich es auch so weiter.

Sind Sie auch streng zu sich selber?

Alexandra Gaßmann:Ja, Regeln für die Kinder sind auch Regeln für die Eltern. Ich habe nach einer Kur mit dem Walken angefangen. Dabei muss ich auch streng zu mir selber sein. Wenn der innere Schweinehund sagt: „Heute ist es kalt draußen, heute mag ich nicht walken“, wer hat das Sagen, der Schweinehund oder ich? Dann sage ich zu mir selber: „Es gibt kein schlechtes Wetter, zieh dich an und geh raus.“


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