Wohl fühlen - auch darum geht's

„Es war ein absolutes Bauchgefühl“, erzählt der vierfache Vater Alexander G., „ wir haben uns an der Schule auf Anhieb wohlgefühlt.“ Ganz im Gegensatz zu den beiden umliegenden staatlichen Gymnasien, welche für die Stuttgarter Familie zunächst auch in Frage gekommen waren.

Der Kuschelfaktor spielt auch eine Rolle. Foto: angieconscious_pixelio

Lesen Sie hier:

  • Was zum Wohlfühlen dazu gehört
  • Wieso das Schulklima wichtig ist
  • Und warum der Lehrer mehr ausmacht als viele denken

Dieser Wohlfühl- und Geborgenheitsfaktor hat bis heute nicht nachgelassen, alle vier Kinder von Alexander G. besuchen das evangelische Heidehofgymnasium in Stuttgart und damit eine von über 1000 evangelischen Schulen bundesweit. Die „gute Atmosphäre“ allgemein und im „Umgang miteinander“ waren auch für Sonja W. mit ausschlaggebend für die Schulwahl. Auch sie hat ihre beiden Kinder am evangelischen Heidehofgymnasium angemeldet. Wichtig ist ihr zudem, dass nicht nur die reine Wissensvermittlung im Vordergrund steht. Es spricht sie als Mutter an, wenn das Kind als Individuum wahrgenommen wird und sich die Lehrer mit der Frage befassen, wie seine Persönlichkeit am besten gefördert werden kann.

Ähnlich sieht dies eine andere Mutter. Das „Miteinander“ stehe mehr im Vordergrund als an anderen Schulen, man möchte den Kindern „mehr als nur Wissen auf den Lebensweg mitgeben“. Dass die vielen Zusatzangebote in den Bereichen Musik und Theater sowie die zahlreichen Projekten dann aber wie selbstverständlich nebenher zu laufen hätten und auf die Zusatzbelastung von Seiten der Lehrer wenig Rücksicht genommen würde, ist für Karin H. häufig ein Grund, sich zu ärgern. Dennoch ist sie vom christlichen Mehrwert der Schule überzeugt. Regelmäßige Andachten und Gottesdienste, das Schulfach Religion als Pflichtfach bis zum Abitur und die Verpflichtung der Schüler zum „Dienst am Nächsten“, wie es in verschiedenen Pflichtpraktika zum Ausdruck kommt, sind nur einige Bausteine im Schulprofil des Gymnasiums, welche ihrer Vorstellung von einer Erziehung im christlichen Glauben doch schon sehr nahe kommen.

Eine 2011 vorgelegte Studie zeigt in der Tat, dass das Schulklima von den Schülerinnen und Schülern an konfessionellen Schulen durchweg als angenehmer empfunden wurde als an staatlichen. Auch lag die „allgemeine Schulzufriedenheit“ über den Werten staatlicher Schulen. Auch bestätigen Lehrerbefragungen an christlichen Schulen, dass hier ein primär diakonisches, also an Nächstenliebe und Hinwendung zum einzelnen Kind oder Jugendlichen orientiertes Verständnis von Pädagogik vorherrscht. Christliche Kernaussagen, so der Befund, sind für das pädagogische Handeln von Lehrkräften also grundsätzlich hilfreich.

Das Schulklima muss gut sein. Foto: FotoHiero_pixelio

Individuellere Förderung ist meist auch das Hauptargument für den Wechsel an eine Privatschule. Dies ist nur möglich durch einen deutlich höheren Personalaufwand. Das Magazin „Focus“ zitiert die Bundesgeschäftsführerin des Verbandes Deutscher Privatschulverbände mit den Worten: „Freie Schulen können beim Salär durch die zu geringen Zuschüsse nicht mit den staatlichen Schulen mithalten“. Für sie heißt das: „Eine ruhige Kugel kann man an einer Privatschule sicher nicht schieben. Statt Dienst nach Vorschrift sind hier Engagement und Begeisterungsfähigkeit gefragt.“

Bedenkt man, dass die Erfahrungen, die ein Schüler im Umgang von Lehrern und Schülern und im Umgang der Schüler untereinander während seiner Schulzeit macht, prägend sind, bekommt der Befund vom diakonisch orientieren Pädagogen zusätzliches Gewicht. Zu Recht wurde dieses soziale Miteinander an der Schule bereits in den 70er Jahren als „zweiter“ oder „heimlicher Lehrplan“ bezeichnet. Er ist nichts anderes als ein „Grundkurs in den sozialen Regeln, Regelungen und Routinen“, den sich Lehrer wie Schüler anzueignen haben, wenn sie, „ohne großen Schaden zu nehmen, ihren Weg durch die Institution, die da Schule heißt, machen wollen“. Eine katholische Schule wie das St. Agnes in Stuttgart wirbt auf seiner Homepage explizit mit der „Pflege einer Schulkultur der Annahme und Wertschätzung, der Begegnung und des Dialogs“.  

Eine Schule ist aber zu allererst immer eine Schule. Eltern messen ihre Qualität zunächst einmal daran, wie professionell und leistungsorientiert der Unterricht ist, wie erfolgreich sie den Kindern und Jugendlichen die nötigen Kompetenzen und Fähigkeiten vermittelt, die für den angestrebten Schulabschluss nötig sind, wie häufig der Unterricht ausfällt, wie motiviert und gut die Lehrkräfte sind und ob die Schule innovative pädagogische Konzepte aufgreift wie fächerübergreifendes Lernen, Projektarbeit oder Team-Teaching.

Eltern vertrauen zudem in hohem Maß Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis. Dass der christliche Hintergrund bei der Schulwahl seiner Tochter „irrelevant“ gewesen sei, betont etwa Heiko B. Viel wichtiger seien  der „Gesamteindruck, der Wohlfühlfaktor und die Erfahrungswerte anderer Personen“ gewesen. Aber auch er muss zugeben, dass diese Faktoren „etwas mit sozialer Kompetenz“ und dem „Engagement der Schule“ zu tun haben, „was man wiederum auf den christlichen Hintergrund zurückführen kann“.

Auf den Lehrer kommt es an

Wie gut Kinder lernen, hängt vom Lehrer ab. Diese Einsicht ist gewiss nicht neu, aber sie wird nun durch die groß angelegten Metastudie eines neuseeländischen Bildungsforschers untermauert. Nicht auf Schulorganisation oder Schulpolitik kommt es an, sondern auf den Lehrer. John Hattie hat dabei den guten alten Lehrer im Blick, der als leidenschaftlicher Erzieher und Erklärer daherkommt, seine Schüler ernst nimmt, ihrem Bedürfnis nach Anleitung, Erklärung und Orientierung nachkommt, ihre Perspektive als Lernende einzunehmen vermag wie seine als Unterrichtender verdeutlichen kann.

Es ist eine klare Absage an eine eher zurückhaltende Lehrerrolle und eine Absage an die These, Kinder wüssten selber am besten, was gut für sie ist. Auf dem Markt jedoch konkurrieren Privatschulen mit den staatlichen um die besten Lehrkräfte. Ob sich diese dann für die christliche Privatschule entscheiden, weiß man als privater Träger natürlich nicht. Oft heißt es einen Kompromiss einzugehen zwischen fachlicher Qualifikation und (gewünschter, aber häufig nicht vorhandener) Religiosität der Lehrkräfte. Hier die richtige Balance zu halten, ohne die christliche Ausrichtung der Schule insgesamt zu gefährden, ist für die meisten christlichen Schulträger eine schwierige Aufgabe.


Zeitpunkte

Tipps für Familien

Zeiträume

Themen für Familien