Ab morgen sag ich Nein!

„Ja zum Nein“ heißt das neue Fachbuch der Wirtschaftsmediatorin Kirstin Nickelsen nicht ohne Grund. Denn „das Nein ist die Rückseite der Münze, auf der Ja steht“, betont Nickelsen, die in Hamburg lebt.  Als Wirtschaftsmediatorin vermittelt sie innerhalb von großen Unternehmen sowie zwischen Firmen und Kunden und hört immer wieder: „Ich hätte viel früher Nein sagen sollen!“

Schritte zum einfacheren Leben. Foto: Albrecht-E.-Arnold_pixelio


Das so weitverbreitete halbherzige Ja, weiß die Autorin, zieht Folgeschäden nach sich – im Beruf etwa schludrig erledigte Aufträge und damit den Verlust von Kunden, dicke Luft innerhalb von Kollegenteams und manchen Burnout überlasteter Ja-Sager.

Das lässt sich aber abwenden. Im Beruf wie im Privatleben, weiß Nickelsen, gibt es zahlreiche Menschen, die andere manipulieren und ein Gespür dafür haben, wer tendenziell eher nickt, als den Kopf zu schütteln. Solche Personen stellen gerne Fallen.

Drei verbreitete Beispiele hierfür sind:

  • die Lob-Falle. Der Köder ist ein Kompliment wie „Du bist so lieb!“
  • die Kompetenz-Falle. Als Köder dient ein Satz wie „Keiner kann das so gut wie Sie!“ und
  • die Zeitdruck-Falle à la: „Ich bräuchte nur mal kurz …“


Wie entkommt jedermann diesen Fallen? Nickelsens Antworten:

  1. 1. Bleiben Sie höflich, aber umschiffen Sie die Fallen

Klarer Fall: Auf ein Kompliment darf ein „Dankeschön“ folgen. Das „Ja“ auf die sich anschließende Bitte ist hingegen nicht Ihre Pflicht. Wenn Sie intuitiv „Nein!“ gedacht haben, sagen Sie das auch. Freundlich, höflich und unverrückbar. Falls Sie erst mal nicht wissen, ob Sie zusagen möchten oder nicht, erbitten Sie sich Bedenkzeit.
    

  1. 2. Weichen Sie nicht aus und vertrösten Sie nicht

Bleiben Sie bei Ihrer Absage. Egal, wie sehr der Chef, die Nachbarin oder der Freund Sie anfleht. „Vielleicht nächstes Mal“ oder „Ich würde ja gerne, aber …“ sind Lügen bis Ausflüchte – und Hand aufs Herz: Würden Sie diese gerne als Antworten auf eigene Bitten hören? Also.

3. Bleiben Sie auf Augenhöhe

Mit einem „leider“ machen Sie sich kleiner, als Sie sind. Nehmen Sie einen Auftrag widerwillig an, schimpfen aber hinterher im Privaten über „die unfähige Chefin“ herum, erheben Sie sich über andere. Beides dient weder der Sache noch tut es Ihnen oder anderen gut. Also bleiben Sie auf Augenhöhe und üben Sie Sätze wie „Ich fühle mich geschmeichelt, aber ich bleibe bei meinem Nein.“

3. Geben Sie Negativkritik als Ich-Botschaft weiter

Manchmal muss man nicht zu Fragen, sondern zu Verhaltensweisen anderer Menschen Nein sagen. Da raucht der Freund während des Essens oder die Kollegin telefoniert allzu lautstark im Großraumbüro. Der Beziehung tut das Nein meistens keinen Abbruch, wenn Sie Ihre Kritik als Ich-Botschaft formulieren: „Mir wird vom Rauchgeruch schlecht“ oder „Ich möchte nur für mich sprechen – mich stört, dass du so laut telefonierst“ sind unmissverständlich und kommen an.

 

Last but not least: Denken Sie im Geiste immer mit, wozu Sie mit Ihrem Nein Ja sagen

Zeit und Energie jedes Menschen sind endlich – etwas tun heißt immer, etwas anderes zu lassen. Wenn Sie Nein sagen, schaffen Sie zugleich auch Freiräume für anderes. Fragen Sie sich vorher, wozu Sie Ja sagen, somit ist das Nein lediglich ein weiterer Schritt. Sie handeln somit verantwortungsvoll und selbstfürsorglich. In diesem Bewusstsein kommt das Nein doch gleich viel leichter über die Lippen!



 




Buchtipp:

Kirstin Nickelsen: Ja zum Nein. Selbstachtung statt Harmoniesucht – mit Sofort-Übungen für den beruflichen Alltag. SpringerGabler 2015, 24,99 Euro.

ISBN 978-3-658-06832-5

Zeitpunkte

Tipps für Familien

Zeiträume

Themen für Familien