Abnabeln - jetzt mal anders herum

Wenn die Kinder ausziehen, bleiben die Eltern oft ratlos in einem Gefühls-Karussell zurück. Um diese Zeit der Neuorientierung gut zu überstehen und seinem Leben einen neuen Sinn zu geben, bzw. sich wieder auf die Partnerschaft zu konzentrieren, gibt es in aktuellen Ratgebern wertvolle Ratschläge und Tipps. Aber wer könnte sich nicht besser in diese Situation hineindenken als andere Betroffene.

Eltern müssen Kinder ziehen lassen. Foto: Denise_pixelio

Begriffe, die Eltern helfen, wenn ihre Kinder flügge werden:

  • Loslassen
  • Da sein
  • Selber leben
  • Zutrauen
  • Freundschaften
  • Entscheidungen
  • Maria erzählt: „Als ich 18 Jahre alt war und von Zuhause weg ging,  kam ich noch immer jedes Wochenende nach Hause. Dann stand meine Mutter auf der Haustreppe mit Tränen in den Augen. Das war sehr schwer für mich. Schon damals hatte ich mir vorgenommen, es meinen Kinder, die relativ früh aus dem Haus gingen, leichter zu machen. Es war am Anfang auch nicht ganz einfach, aber ich habe dann immer an meinen Abschied gedacht und versucht loszulassen.“

  • Hildegard und Andreas raten: „Man benötigt viel Geduld und darf manche Ausbrüche in der Pubertät nicht zu ernst nehmen, auch wenn es einen im Moment sehr trifft. Das Wichtigste überhaupt ist jedoch, dass man seinen Kindern das sichere Gefühl gibt, dass sie jederzeit, egal was passiert und was sie angestellt haben, zu einem kommen können. Mit diesem Wissen, fällt die Trennung nicht so schwer.“

  • Helga schildert: „Beim Abnabeln von meinen Kindern - ich mein es tatsächlich so herum - hat mir unter anderem meine Krebserkrankung geholfen. Zum einen ist mir damals mehr als bewusst geworden, dass, falls ich die Erkrankung nicht überleben sollte, meine Kinder ohne mich klar kommen müssen und werden. Zum anderen verspürte ich die Notwendigkeit, mich auch wieder mehr um mich selbst zu kümmern und neue Lebensperspektiven neben der Familie, die nach wie vor mit das Wichtigste für mich ist, zu finden. Somit wurden wir automatisch `flügge`.“
  • Henriette resümiert: „Ich bin kein gutes Beispiel. Ich konnte mich nie ´abnabeln´ weder bei meiner Tochter, noch bei meinen Enkeln. Ich habe noch immer Angst um sie und würde am liebsten die Kontrolle für alle übernehmen, was natürlich falsch ist. Durch meine Scheidung wurde ich von meiner Tochter sozusagen ´zwangsabgenabelt´ als sie 15 Jahre alt war. Das Einzige was mir bei meiner Enkelin geholfen hatte, war, als sie mich bat, nicht so besorgt auf ihre Vorhaben, zu reagieren. Sie bekäme sonst auch Angst und würde sich selber nichts mehr zutrauen. Und das wollte ich natürlich auf gar keinen Fall!“
  • Renate erklärt: „Mir hat sehr geholfen, dass ich schon vor der Abnabelung angefangen hatte meine bestehenden Freundschaften zu vertiefen und mir neue, interessante Hobbys zuzulegen, die mir keine Zeit zum Grübeln ließen.“
  • Eva beschreibt: „Ich hatte schon während der Pubertät immer darauf geachtet nie zu drängeln, aber jederzeit da zu sein. So hielt ich es dann auch beim Umzug meines Sohnes. Wir halfen ihm dabei, drängten uns aber nicht auf und warteten immer ab, bis er auf uns zukam. Auch später, wenn es darum ging, dass er uns mal zu sich nach Hause einlud. Das fiel mir besonders schwer, denn ich hätte ihn gerne öfters besucht.“
  • Hartmut und Petra berichten: „In der Pubertät haben die Eltern die Gelegenheit, ihrem Nachwuchs Werte des Lebens und des Zusammenseins zu vermitteln. Haben die Eltern die Zeit genutzt, gibt es in der Regel nur kleine Probleme. Also einfach mal die Kinder laufen lassen und nur gelegentlich dezente Korrekturen durchführen. Keiner ist perfekt, soll er auch gar nicht sein und aus gemachten Fehlern lernt man. Viel wichtiger ist, dass das Kind seinen Weg findet, ihn geht und zu seinen Entscheidungen auch steht. Mit allen Konsequenzen.“
  • Rita sagt: „Stefan hatte schon mit 17 eine Freundin und ging dann wegen ihr zum Studieren nach Berlin. Da kann man nicht mal schnell zum Fensterputzen vorbeikommen! Wir haben ihm die Wohnung in den ersten zwei Wochen komplett eingerichtet und uns dann mit gutem Gefühl auf den Heimweg gemacht. In der Zeit der Abnabelung hat mir meine alte Mutter-Kind-Gruppe sehr geholfen. Wir tauschen uns heute noch aus. Zwar nicht wie früher alle zwei Wochen mit den Kindern, sondern nur noch sporadisch zum Brunch.“
  • Thomas ergänzt: „Ich finde man kann gar nicht früh genug damit beginnen, den Kindern viel zuzutrauen und ihnen folglich auch die Verantwortung zu übertragen. Meine Frau und ich hatten über diese Einstellung oft Diskussionen, weil sie nicht immer meiner Meinung war. Das Abnabeln unserer Kinder hat unserer Beziehung viel Stress bereitet. Wir haben aber irgendwie die Kurve bekommen, als wir begriffen, dass wir auch ohne Kinder gut zusammenpassen. Dabei hat uns auch ein neu belegter Tanzkurs geholfen. Die alte Nähe kam ganz automatisch durch das Tanzen zurück.“

Ein weiser Spruch aus China, drückt in einem Satz aus, wie die Abnabelung verlaufen sollte: Wenn die Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln. Wenn sie groß sind, gib ihnen Flügel.




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