Fußbäder für die Seele

Es ist so leicht gesagt: „Mach dir keinen Stress“ - aber wie? Wie schaltet man richtig ab? Wie funktioniert Entspannung? Kann das überhaupt funktionieren? Oder rennen wir einem Phantom hinterher, das uns dann seinerseits unter Druck setzt?

Wenn es so einfach wäre, würden's alle machen: Tee trinken und Stress Ade. Foto: Maren-Beßler_pixelio

Ja auch die Suche nach Entspannung kann uns unter Druck setzen. Nämlich unter Druck, sich quasi auf Knopfdruck zu entspannen. An Feiertagen zum Beispiel oder an den Tagen zwischen den Jahren. Oder am Wochenende oder allerspätestens im Urlaub. Die Hoffnung auf Entspannung zu bestimmten Terminen im Kalenderjahr ist riesig. Der Frust, wenn es nicht gelingt, ebenso.

„Entspannung finden in stressigen Tagen“ titelte vor einigen  Jahren die Zeitschrift „Psychologie heute“, und in der „Brigitte“ war zu lesen, dass Entspannung zur „neuen Leitkultur der Generation Stress“ geworden sei. Die These des Soziologen Hartmut Rosa, dass wir in einem atemlosen Zeitalter der „Beschleunigung“ leben, findet hier ihre wohl schönste Bestätigung. Permanent wird nach einem – zumindest vorübergehenden - Ausstieg aus dieser Beschleunigung gesucht.

Der Markt bietet viele Produkte

Der Markt hat auf diese Entspannungssucht schnell reagiert und bietet ein breites Sortiment an Produkten an, welche Entspannungsmomente versprechen: Duschgels, Tees, Entspannungsbäder oder Massageöle. Das Hören klassischer Musik wird ebenso als Entspannungsfaktor angepriesen wie das Benutzen einer Heizdecke oder das Eintauchen der gestressten Füße in ein „Wellness- und Pflegestation“ genanntes Fußbad.    

Richtig ist, dass auf eine Phase der Anspannung immer eine Entspannung folgen sollte. Bleiben die Erholungsphasen aus, wird Stress zu einer permanenten Belastung und schlecht nicht nur für den Körper, sondern auch für die Psyche. Aber nicht zwangsläufig gerät derjenige, der viele Pflichten und Aufgaben hat, in eine dauerhafte Anspannung. Eine hohe Belastung, egal ob im Job, in der Familie oder ganz allgemein im Privatleben, kann auch positiven Stress auslösen bzw. als solches  wahrgenommen werden. Dann genießt man den Adrenalinkick und freut sich, dass man die Herausforderung gemeistert hat.

Entspannung wird in diesem Fall vom Gefühl der Zufriedenheit geliefert. Um Stress zu reduzieren, kann man natürlich eine der Entspannungstechniken (Muskelentspannung, Autogenes Training, Meditation) erlernen. Vielleicht ist es aber zunächst einfacher, es wie Karin H. zu machen. Sie versucht, sich möglichst täglich mit sich selbst zu verabreden und über dieses Zeitfenster ganz allein und ohne Zeitdruck verfügen zu können. In dieser Zeit kann man wie sie im Wald walken oder in die Sauna gehen; manchmal genügen auch schon eine Tasse Kaffee,  ein gutes Buch oder ein Abend vor dem Fernseher -  es braucht eigentlich gar nicht viel, um im Alltag abzuschalten und zu entspannen, meint sie. Wichtig sei es nur, sich diese persönlichen Auszeiten auch wirklich zu gönnen.

Anja B. bestätigt dies. Entspannung ist auch für sie grundsätzlich ein wenig Zeit für sich alleine. Diese bewusst geschaffenen „Zeitinseln“ füllt sie am liebsten mit Yoga oder Joggen. Wer gerne Sport treibt, verfügt ohnehin über einen der effektivsten Entspannungsfaktoren.  Denn beim Sport werden Stresshormone direkt abgebaut und man kommt durch die motorische Aktivität automatisch auf andere Gedanken. Letzteres gelingt Bärbel S. auch beim täglichen Spazierengehen mit dem Hund oder bei Treffen in geselliger Runde mit Freunden. Zeit für sich, möglichst viel Bewegung, aber auch Zeit für Freunde, lautet daher ihr Tipp.

6 Tipps gegen Stress

  1. 1. Überprüfen der eigenen Einstellung bzw. der Bewertungsmuster.

Warum habe ich diese Situation als stressig erlebt? Setze ich mich mit meiner Einstellung übermäßig selbst unter Druck? Wie könnte man mit dieser Situation noch umgehen? Jemand, der nach der Maxime lebt, keine Fehler machen zu dürfen, und immer alles unter Kontrolle haben zu müssen, hat eine per se stressproduzierende (Lebens)Einstellung. Oft verrät einen schon die Wortwahl. Das Wort „muss“ ist hierfür geradezu symptomatisch. Wer davon spricht, nach der Arbeit noch einkaufen, kochen und die Kinder abholen zu müssen, setzt sich selber unter Druck. Wer stattdessen sagt, er wird oder möchte dies nachher noch alles tun, formuliert neutraler und  stressfreier. 

2. Ausprobieren einer neuen Perspektive.

Indem man sich einen neuen Leitsatz wie etwa „Nobody ´s perfect“ gibt, geht man bestimme Situationen gewiss gelassener an. Und falls etwas nicht so läuft wie geplant, sollte man mit sich selber nicht so hart ins Gericht gehen. Fehler sind dazu da, um aus ihnen zu lernen. Dies sollte man auch sich selber zugestehen.

3.  Konzentration auf die positiven Erlebnisse.

Es kann helfen, am Ende eines jeden Tages das zu notieren, was gut und zufriedenstellend verlaufen ist. Und wenn man dann sieht, was man alles geschafft hat, verlieren negative Stresssituationen rasch an Bedeutung.

4. Lernen, nein zu sagen.

Wer unter Termindruck leidet und das Gefühl hat, mit seinen Aufgaben permanent der Zeit hinterherzurennen, sollte sein Zeitmanagement optimieren. Die „inneren Listen“ von Bärbel S. könnten dazu ein erster Schritt sein. Denn einen Überblick über alle relevanten Aufgaben zu haben und eine vorteilhafte Prioritätensetzung vorzunehmen, hilft,  Stress zu reduzieren. Dazu gehört auch, in Phasen der Anspannung Gefälligkeiten für den Freund oder die Freundin eben nicht zu übernehmen und uns nicht für alles und jeden verantwortlich zu fühlen. Wenn uns unsere Hilfsbereitschaft und unser Gutmensch-Sein das Leben schwer machen und zur zusätzlichen Last wird, ist es an der Zeit, „nein“ zu sagen. So lässt sich mehr Zeit gewinnen für andere wichtige Dinge im Leben, z.B. das oben erwähnte tägliche Rendez-Vous mit sich selbst. 

5. Den Humor nicht verlieren.

Für Hildegard E. ist dies der wichtigste Tipp an alle Stressgeplagten. Humorvolles Umgehen mit Situationen, die man sonst immer als Stresssituationen wahrgenommen hat, das befreiende Lachen über sich selber statt verbissener Perfektion. Das macht einen nicht nur sympathischer in den Augen anderer, Lachen baut außerdem zusätzlich Stresshormone ab. Eine echte Win-Win-Situation!


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