Verhasster Großputz? Nein – Reinigung des Geistes!

Er verdient das Geld, sie erledigt den Haushalt – früher war das in vielen Familien klar aufgeteilt. Heute sind beide Eltern erwerbstätig, der Haushalt wird zum Zankapfel und Stressfaktor. Expertentipps, die dagegen helfen.

Haushaltsarbeit kann etwas Meditatives ausstrahlen. Foto: Manfred Schütze_pixelio.de

Stefanie Lohaus und Tobias Scholz, beide Ende 30, teilen sich Broterwerb, die Erziehung des Sohnes und den Haushalt 50 zu 50. In puncto Ordnung gab es trotzdem Reibereien, beschreibt Lohaus im gemeinsamen Buch "Papa kann auch stillen". Markantes Beispiel: Sie selbst reinigt Toiletten in fünf Schritten, ihr Partner nach dem Motto: "Viel WC-Reiniger reinschütten. Umrühren. Abziehen."

Jeder putzt das Klo auf seine Weise

Ständig zu streiten war keine Lösung. Das Paar nahm sich Zeit für ein Gespräch, schrieb alle Haushalts-Streitpunkte auf eine Liste und einigte sich jeweils auf Kompromisse. Im Falle Toilette: jeder putzt sie einmal pro Woche auf seine Weise. Die Grundhygiene stimmt, die Stimmung im Hause auch. „Jedem Paar, das sich über das Thema Haushalt in die Haare kriegt, rate ich von ganzem Herzen zu diesem Gespräch“, empfiehlt Lohaus.

Was aber tun berufstätige Mütter, die Putzen, Kochen und Co. meistens oder immer alleine stemmen? Birgit Geistbeck aus Mindelheim empfiehlt: "Damit berufstätige Mütter kräftemäßig über die Runden kommen, sind sie gezwungen, den Haushalt neu zu überdenken." Geistbeck ist Wohn-Coach, gibt Kurse und hilft Vielbeschäftigten beim Entrümpeln und Neu-Organisieren. "Vieles von dem, was wir meinen, tun zu müssen, haben wir von unseren Müttern übernommen", betont sie, "die hatten aber einen Vollzeithaushalt und deswegen auch ganz andere Ansprüche." Mit anderen Rahmenbedingungen müsse man sich entscheiden, was die Prioritäten sind – "liegen sie in der perfekt gebügelten Wäsche oder in der gemeinsam mit den Kindern verbrachten Zeit?"
Weiterhin helfe Familien beim Alltagsmanagement

 

  • eine klare Linie vorzugeben, das heißt
  • zu entrümpeln, Dingen feste Plätze zuzuteilen und alles übersichtlich zu halten
  • und jede anfallende Arbeit wertzuschätzen.


„Erst wenn ich anfange, das, was ich tue, selbst wertzuschätzen, wird es auch von außen wertgeschätzt“, sagt Geistbeck.

Saubermachen ist Reinigung des Geistes

Meister der Haushalts-Wertschätzung sind die Japaner, betont der ehemalige Mönch Keisuke Matsumoto aus Tokio. "Saubermachen bedeutet nicht bloß Schmutz entfernen, sondern hat etwas mit der Reinigung des Geistes zu tun“, erklärt er in seinem Buch "Die Kunst des achtsamen Putzens". Schritt für Schritt beschreibt er, mit welchen Mitteln und Empfindungen japanische Mönche Zen-Tempel sauber halten. So wird die Küche zum Ort der höchsten Konzentration, das Örtchen zur Stätte der Entspannung. Warum knittrige Hemden unzufrieden machen, beschreibt Matsumoto auch: "Falten sind auch ein Zeichen des Alters (…) Bügeln sollten wir mit dem Gefühl, unsere innere Frische und Jugendlichkeit zu bewahren."

Bügeln muss man hierzulande nicht unbedingt, relativiert Geistbeck: Viele Textilien glätten sich, clever aufgehängt, von selbst. Ansonsten gelte für ungeliebte Haushaltstätigkeiten: "Change it, leave it, or love it." Manches lässt sich delegieren, auf anderes ganz verzichten. Für den Rest bleibe, seine Einstellung zur Arbeit zu ändern.

Geistbeck gibt Tipps: "Ich kann während des Bodenwischens fetzige Musik hören, beim Bügeln Hörbücher anhören oder meine Lieblingsserie im Fernsehen schauen. Ich kann mir vorstellen, wie ich beim Spülen meine Sorgen den Ausguss hinunterfließen lasse oder beim Staubsaugen alle schlechte Energie aufsauge. Es gibt viele Möglichkeiten, sich für die lästigen Aufgaben eine schöne Arbeitsumgebung zu schaffen."

Kurse und Bücher

Informationen zu Online-Kursen und anderen Angeboten von und mit Birgit Geistbeck:
www.entspannt-wohnen.com/veranstaltungen/

Buchtipps:

Stefanie Lohaus/Tobias Scholz: Papa kann auch stillen. Wie Paare Kind, Job & Abwasch unter einen Hut bekommen. Goldmann 2015, 8,99 Euro

Keisuke Matsumoto: Die Kunst des achtsamen Putzens. Wie wir Haus und Seele reinigen. Goldmann 2015, EUR 8,99

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