Wenn das Sorgenkarussell sich dreht

Was wird wenn…? Soll ich oder doch lieber nicht…? Was könnte passieren, wenn …? Kennen Sie das? Grübeln, denken, sich sorgen – quälende Gedanken drehen sich im Kopf. Wenn man wenigstens zu einer Lösung käme, aber es ist wie im Karussell: es dreht sich, man kommt aber keinen Millimeter voran.

Das Sorgenkarussell kommt in Fahrt. Foto: Sylvia-Riedl_pixelio


In diesem Artikel lesen Sie:

  • Wann das Sorgenmachen besorgniserregend ist
  • Was die Sorgen verstärkt
  • Was man gegen das Grübeln tun kann

„Sorgen sind völlig normal“, sagt Sigrid Engelbrecht. Sie muss es wissen, denn sie berät Menschen darin, wie sie aus dem Gedankenstrudel herausfinden. Sie hat auch viele Bücher darüber geschrieben. „Im Alltag gibt es Risiken, da ist es vernünftig, sich Gedanken zu machen“, schreibt sie. Jeder Mensch macht sich Sorgen, die Gründe sind aber unterschiedlich und auch die Häufigkeit. Manch einer reagiert nur in bestimmten Situationen mit Besorgnis, zum Beispiel, wenn er überfordert ist, anderen fehlt es an Vertrauen, neue Situationen gut meistern zu können. Für wieder andere Menschen ist das Sich-Sorgen-Machen zur Gewohnheit geworden und stellt sich schon bei kleinsten Hindernissen automatisch ein. Hinter dem Sorgenkarussell stecken oft typische Gründe: zu versagen, sich blamieren zu können, abgelehnt, enttäuscht und verlassen zu werden.

Zu den kleinen und großen Besorgnissen, die der ganz normale Alltag mit sich bringt, kommt heutzutage auch eine gewisse Überflutung mit angstauslösenden Reizen, wie Sigrid Engelbrecht sagt. Nachrichten rund um die Uhr oder Internetnewsticker - egal, wo auf der Welt ein Unglück passiert, durch die weltweite Vernetzung erfahren wir in Sekundenschnelle davon. Beinahe täglich mit einer Flut schlechter Nachrichten umzugehen, ist für viele Menschen zu einer regelrechten Belastung geworden. Auf jeden Fall bedeutet es eine zusätzliche Herausforderung.

Schwierig wird es, wenn wir vor lauter Sorgen das Leben nicht mehr genießen können und in einen Zustand permanenter Unruhe oder Angst geraten oder sich gar Krankheitssymptome wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Verspannungen oder chronischer Bluthochdruck zeigen. Dann wird es Zeit, näher hinzuschauen woher die Sorgengedanken kommen. Helfen kann dabei, eine Zeitlang bewusst aufzuschreiben, wovor man sich sorgt. Meist erkennt man schon ein erstes Muster. Sind es Situationen, in denen man seine Ziele vielleicht selbst zu hoch steckt oder hat man ein stark ausgeprägtes Verlangen nach Geborgenheit und Schutz? Manchmal hilft schon das bloße Aufschreiben, damit die Sorge verschwindet.

Es gibt aber noch mehr Tipps, wie man den Ausstieg aus dem Gedankenkarussell schafft:

 

  • Sorgentagebuch – Es zwingt uns, genau hinzuschauen. Worüber sorge ich mich eigentlich? Was genau hat die Sorge ausgelöst? War es eine Meldung in den Nachrichten oder der Bericht über die Krankheit eines weitläufigen Bekannten? Welche Befürchtungen verbinde ich damit? Versteht man den Zusammenhang, löste sich plötzlich das Sorgengespenst auf.


    Tagebuch schreiben hilft. Foto: birgitH_pixelio

  • Ablenken – Depressionsforscher haben entdeckt, dass schon wenige Minuten gezielter Ablenkung helfen, die Stimmung deutlich zu verbessern. Es funktioniert am besten, wenn man sich ganz bewusst auf etwas anderes einlässt, zum Beispiel Musik hören, sich bewegen, spazieren gehen, im Garten arbeiten.
  • Sein bester Freund sein – Überkommen einen entmutigende Botschaften wie ´das schaffe ich ja doch nicht´ oder ´dafür bin ich doch zu…alt,…blöd,…hässlich…´ sich vorstellen, was wir in solchen Situationen einem guten Freund antworten würden. Wir würden ihn sicherlich motivieren und ihn stärken. Das können wir auch uns sagen.
  • Zitate sammeln – Ausschneiden, fotografieren, sammeln, wenn wir etwas Motivierendes lesen. Diese positiven Sprüche, Aphorismen und Zitat an Orten verteilen, denen wir im Alltag oft begegnen. Wenn wir sie immer wieder lesen, schleichen sich die positiven Gefühle unbemerkt in unsere Gedanken.
  • Bewusst atmen – Im Yoga ist der Atem die Verbindung zwischen Körper und Geist. Wenn der Geist unruhig ist und sich das Gedankenkarussell dreht, können Atemübungen helfen, ihn zur Ruhe zu bringen. Aufrecht sitzen und einige Atemzüge lang bewusst wahrnehmen. Wer trotzdem immer wieder abschweift, kann einen Trick anwenden:    beim Einatmen auf vier und beim Ausatmen auf sechs zählen. Langsam steigern, dabei sollte der Ausatem immer etwas länger sein als der Einatem. 





Buchtipp

 
Sigrid Engelbrecht: Lass los, was dir Sorgen macht

Reihe: Der kleine Coach (327), Gräfe und Unzer, 2013,
12,99 Euro.
ISBN 978-3-8338-2332-9

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