Woher kommt dieser böse Stress eigentlich?

Die Überlastung zu Hause ist der kleine Unterschied zwischen Männern und Frauen. Wie soll man oder frau da noch Entspannung finden? Ein Blick in die Menschheitsgeschichte kann weiter helfen. Denn Stress ist nicht neu, sondern ganz alt.

Wird der Mensch überlastet oder fühlt sich bedroht, entsteht Stress. Foto: Barbara-Eckholdt_pixelio

Stresssituationen entstehen bei den befragten Frauen weit häufiger im Privatleben als im Beruf. Dazu trägt die Doppelbelastung durch Job und Familienarbeit ganz wesentlich bei. Dieser Befund wird gestützt durch Forschungen an der amerikanischen Penn State University, wonach einer der zentralen Belastungsindikatoren für Stress, das Hormon Cortisol, von den 122 Probanden (Männer und Frauen) vermehrt im Privatleben ausgeschüttet wurde.

Frauen haben Stress zu Hause

Bei den Frauen war der Unterschied zwischen dem Cortisolwert auf der Arbeit und zu Hause größer als bei den Männern. Lange Zeit galt der Beruf, der Job,  als Stressfaktor Nummer 1 für Menschen in den westlichen Industrienationen. Nun also auch noch Stress zu Hause? Und was bedeutet das für die notwendige Entspannung? Wenn man vom Beruf zu Hause nicht abschalten kann, wenn die Gedanken auch zu Hause noch um berufliche Probleme kreisen, dann reagiert der Organismus, als wäre er noch am Arbeitsplatz und schüttet Stresshormone aus. Das Gleiche gilt für Stresssituationen im Privatleben.  Aus beruflich oder privat bedingter Anspannung wird so Dauerstress. Und der kann krank machen.

Stress ist mitnichten ein modernes Phänomen, sondern hat in der Menschheitsgeschichte einen evolutionären Sinn. Die in Stresssituationen vorübergehend bereitgestellte Energie versetzte den urzeitlichen Menschen in die Lage, auf Kampf- oder Fluchtsituationen besonders gut eingestellt zu sein. Dies erhöhte seine Überlebenschance.

Die Stressreaktion des menschlichen Organismus ist über die Zeit dieselbe geblieben, aber die äußeren Bedingungen haben sich doch sehr verändert. Mit lebensbedrohlichen Situationen haben wir moderne Menschen es nur noch höchst selten zu tun; und während für unsere Vorfahren in der Urzeit auf eine Stresssituation unmittelbar die Erholungsphase einsetzte, ist das für uns moderne Menschen fast unmöglich geworden. Die allgemeine Reizüberflutung und beruflicher sowie privater Dauerstress verhindern dies häufig sehr effektiv.

Die Symptome

Die Stressreaktionen sind vielfältig und reichen von Konzentrationsstörungen und Migräne bis hin zu psychischen Erkrankungen und Herz-Kreislauf-Beschwerden. Wer sagt: „Ich bin im Stress“, meint meistens etwas anderes, als dass sein Körper jetzt auf eine Bedrohung von außen mit Flucht oder Angriff reagieren wird. Wer in unserer Gesellschaft der Ansicht ist, „im Stress zu sein“, sagt damit, dass er oder sie unter Zeitmangel und Überlastung leidet, unter Druck steht und in hektischen Zeiten lebt. Die Aussage, „im Stress zu sein“, wird heutzutage geradezu inflationär gebraucht, und man kann leicht den Eindruck gewinnen, von lauter Stress-Junkies umgeben zu sein.

„Mach dir keinen Stress“, lautet etwa der wohlgemeinte Ratschlag an die Freundin, die ihre Großfamilie zum Abendessen erwartet. Übersetzen ließe sich das mit „Reduziere deinen Aufwand, koche etwas Einfaches!“. Doch in dem Wort „Stress“ schwingt unterschwellig noch mehr mit: Das Gefühl, mit der Situation überfordert zu sein, mit dem zur Verfügung stehenden Zeitfenster nicht hinzukommen und an den Ansprüchen an sich selber als Gastgeberin zu scheitern.

Die Grenzen der Belastbarkeit sind ebenso wie die Ansprüche an sich selber bei jedem Menschen anders verteilt. Entsprechend unterschiedlich ist die Wahrnehmung von stressauslösenden Situationen. Sobald man jedoch das subjektive Gefühl hat, der Situation nicht mehr gewachsen zu sein und die Kontrolle zu verlieren, droht Stress. Der Körper schüttet Stresshormone aus, der Blutdruck steigt, die Atmung wird aktiviert, das Immunsystem wird leicht heruntergefahren.

Mach mal gar nichts!

Mal nichts machen. Wie die Steine! Foto: twinlili_pixelio

Doch der vermeintliche Kampf gegen Säbelzahntiger oder sonstige urzeitliche Unbill  ist heute ein Kampf gegen Termindruck, gegen zu viele Pflichten und Aufgaben oder nicht funktionierende soziale Beziehungen. Selbst die Freizeitplanung kann heute Stress auslösen. Dies liegt zu einem guten Teil darin begründet,  dass die Anforderungen an eine sinnvoll genutzte und erfüllte Freizeit in den Gesellschaften der westlichen Industrienationen enorm gestiegen sind. Einfach mal nichts zu tun oder abends mit den Kindern Memory oder Mensch-ärgere-dich-nicht zu spielen, ist out. Jetzt müssen es schon aufwändige und teure Sportarten oder Städtekurztrips in andere Länder sein. Von diesem ständigen Erlebnisvirus sind auch schon Kinder infiziert. Also heißt es vereinfacht: Mach mal nichts. Gar nichts.


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