Mit der Bibel mehr Freude im Schlafzimmer

Es ist ein Vorurteil, dass gläubige Frauen und Männer prüde und verklemmt sind. Neueste Untersuchungen zeigen: Christinnen und Christen sind mit ihrem Sexualleben weitgehend zufrieden. Was ist das Geheimnis des neuen sexuellen Aufbruchs?


Liebe und Sex ein Tabu für Christen? Nein. Auch die Bibel kennt die Leidenschaft. Foto: Jörg Brinckheger/pixelio.de

Vorbei sind die Zeiten, als sich Sexualität in christlichen Kreisen nur auf die Fortpflanzung reduzierte. Auch fromme Christen reden offen über ihre Sexualität und benennen ihre Bedürfnisse. „Das Auge isst mit“, hat beispielsweise die Zeitschrift christliche Zeitschrift „Family“ mal erklärt und gab konkrete Tipps, die Hochzeitsnacht mit allen Sinnen zu genießen.

Wie Umfragen und Studien zeigen, sind Christinnen und Christen weitgehend zufrieden mit ihrem Sexualleben. Fakt ist: Die Umfrage-Ergebnisse zeigen einen „hohen positiven Zusammenhang zwischen Glaubensbindung und sexueller Zufriedenheit“.

Christen haben weniger Stress im Bett

Die Gründe dafür sieht Andreas Bochmann, Theologe, Sexualwissenschaftler und Autor von „Sexualität bei Christen“, im Religiösen: „Wer sich geliebt weiß – auch von Gott – kann ein gesundes Selbstwertgefühl ebenso entwickeln, wie Achtung und Respekt vor der Würde des Gegenübers. Aufgrund ihres Glaubens wissen Christen, dass Sex nicht alles im Leben ist, und es daneben noch eine andere Perspektive gibt.“ Das senke die Erwartungshaltung und den Stress im Bett.

Freude an der Lust? Da können sich Christinnen und Christen durchaus auf die Bibel stützen: Hatte nicht Gott selbst als eine seiner ersten Taten den Menschen in der Schöpfungsgeschichte geboten, sexuell aktiv zu sein und sich zu mehren? (1. Mose 1,27-28) Auch andere Bibelstellen zielen in diese Richtung: Das „Hohelied“ beschwört auf poetische und gleichzeitig anschauliche Art die Kraft der Liebe. Selbst der Apostel Paulus, der oft als frauen- und körperfeindlich gebrandmarkt wird, gibt im Korintherbrief (1. Korinther 7,2-6) praktische Tipps für das Sexualleben, die Mann und Frau zu gleichberechtigten Partnern machen.

Übung macht Liebhaber

Wer nach Übersee blickt, wird rasch feststellen, warum es heute unredlich ist, Christen ein zufriedenes Sexualleben absprechen zu wollen. Während sich in den USA die Nach-68er mit der riesigen Verunsicherung seit der sexuellen Befreiung abmühen, hat das evangelikale und charismatische Lager die Sexualität entdeckt. Thema der unzähligen evangelikalen Kurse und Ratgeberbücher in Sachen Sex: Um in der Ehe treu zu sein, braucht es die Auseinandersetzung mit dem Tabu-Thema nach dem Motto „Mach den Gatten zum Liebhaber“.

"Mach den Gatten zum Liebhaber". So einfach geht das? Foto: Moni Sertel_pixelio.de

Die Zweisamkeit üben

Christen und Nichtchristen stehen vor dem gleichen Problem. Wie lässt sich in der Ehe oder einer langen Partnerschaft Lust und Sexualität aufrecht erhalten?  Paartherapeuten stellen heute trotz sexueller Freiheit in den Beziehungen eine allgemeine Lust und Sprachlosigkeit und Frust in den Betten fest. Die Gründe dazu dürften mannigfaltig sein, in einem Punkt sind sich alle Therapeuten und Berater einig: Eine lebenslange Beziehung braucht Pflege. „Sie ist wie eine Pflanze“, meint der deutsche Therapeut Hans Jellouschek. „Wenn man sie nicht wässert und düngt, geht sie ein.“ Konkret fordert Jellouschek Paare auf, darauf zu achten, dass die Beziehung nicht in einen Alltagstrott hineingerät und die Zweisamkeit zwischen Beruf, Kindern und Hobbys keinen Platz mehr im Terminkalender findet. Deshalb rät er Paaren, geschützte Räume und Zeiten dafür zu reservieren.

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