Praxistest Ehe: Mama ist zu oft allein zu Haus

Die Gesellschaft und die Ehe wandeln sich. Fachleute wie Ursula Gampper erleben das jeden Tag hautnah: Sie ist Sozialarbeiterin und Kunsttherapeutin. Sie hat Erfahrungen in kirchlichen Einrichtungen gesammelt und versucht auch sonst, sich am christlichen Menschenbild zu orientieren.

Wo geht es lang, auf der Straße der Ehe? Foto: Martin Berk_pixelio.de

In ihrer Arbeit begegnen Ursula Gampper naturgemäß Menschen, deren Familien Probleme haben. Eines dieser grundlegenden Probleme ist, dass Ehepaare nichts mehr in die Partnerschaft oder in die Kinder investieren wollen. „Der Vater ist viel unterwegs, die Mutter muss zu Hause alles allein stemmen“, beschreibt Ursula Gampper die klassische Konfliktsituation. Man brauche aber die Stabilität zu Hause, um die Anforderungen im Beruf bestehen zu können. Das gilt für die normale Familie genauso wie für die Patchwork-Familie.

Modelle fehlen

Dazu kommt ein zweites Problemfeld: Verbindliche Modelle, wie Familie gelebt werden kann, gibt es immer weniger. „Jede Familie muss ihr eigenes Modell entwickeln und dabei geht viel kaputt“, weiß die Beraterin. Früher habe es allgemeine Wertvorstellungen gegeben, gegen die man sich zum Teil auch aufgelehnt habe. Jetzt könne jeder seine Vorstellung entwickeln, und müsse es auch. Das ist anstrengend und eine große Herausforderung, deren Folgen Ursula Gampper gerade bei der Entwicklung von Kindern beobachtet: „Mehr als je zuvor ist bei vielen psychische Betreuung notwendig“, sagt sie.

Die Sozialarbeiterin sieht einen Weg darin, allgemeine Prinzipien aus der traditionellen Ehe abzuleiten – wie Fürsorge, Verantwortung, Verlässlichkeit – und sie auf andere Familienformen zu übertragen. Schließlich ist die traditionelle Ehe, in der zwei Menschen ein Leben lang zusammen bleiben und Kinder großziehen, nicht mehr selbstverständlich.

Die Trennungsfamilien sind zahlreich, die finanziellen Belastungen einer Scheidung hoch. Das Armutsrisiko steigt. Dennoch wünscht sich Ursula Gampper nicht nur, dass andere Familienformen anerkannt werden. Sie wünscht sich auch, dass die Menschen, die sich für die Ehe entscheiden, besser unterstützt werden. Denn sie müssen ganz andere Probleme als früher bewältigen. Konkret fände sie es gut, wenn auch Kirchengemeinden Ehepaare begleiten könnten.

Es sei richtig, wenn die Kirche auf den gesellschaftlichen Wandel eingehe, sagt sie. Gleichzeitig sollte Kirche dazu beitragen, Probleme auch zu lösen. Eine Ehe habe eben viele Vorteile, findet Ursula Gampper. „Man hat jemanden, der einem zur Seite steht, auch wenn ein Partner zum Beispiel psychisch krank wird.“ Der Weg zur Trennung sei heute viel schneller als früher. Deshalb: Mut finden zusammenzubleiben, ist die große Aufgabe.

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