Rollenspiele mit Nebenwirkungen

Familien spüren es nur indirekt: Die so genannte Gender-Forschung verändert das Klima, in dem Männer und Frauen miteinander leben. Brauchen wir noch Männer und Frauen?

Wann ist ein Mann ein Mann? Wann ist eine Frau eine Frau? Foto: Paulwip_pixelio.de

Sie erfahren hier:

  • Was Gender mit Sprache zu tun hat
  • Wieso Familiengeschichte wichtig ist
  • Warum Rollen geklärt sein sollten

 

Es liegt etwas in der Luft. Das spüren Familien. Sie müssen sich rechtfertigen, wenn die Frau zu Hause bleibt. Und auf einmal müssen sie sich mit dem Thema „sexuelle Vielfalt“ auseinandersetzen. Und sie fragen sich immer häufiger: Was ist eigentlich männlich? Was ist weiblich? Gibt es das überhaupt oder ist alles anerzogen? Der Begriff, der diese Fragen zusammenfasst, kommt aus dem Englischen und heißt „gender“. Und weil das, was dieser Begriff beinhaltet, zum Hauptströmung in einer Gesellschaft gemacht werden soll, nennt sich dieser Vorgang „gender mainstreaming“.

Eine Theorie, könnte man meinen. Aber sie zeigt Wirkung. Auch auf Familien. Das jedenfalls beobachtet der Künzelsauer Dekan Friedemann Richert. Er setzt sich wissenschaftlich und in der Seelsorge mit dem Thema auseinander. Seine Hauptkritik: Die Gender-Theorie will glauben machen, dass gleiche Behandlung von Frauen und Männern automatisch gerecht ist. Gerechtigkeit schließt aber ein, dass jeder das erhält, was er braucht. Das kann auch Ungleiches sein. Richert stört sich auch an der sprachlichen Regulierungswut. Die Grammatik werde mit dem Verdacht überzogen, Frauen zu benachteiligen. Das Ergebnis: künstliche Verdoppelungen wie „Bürgerinnen und Bürger“ oder Partizipkonstruktionen wie „Studierende“.

Sprache hat Wirkung

Harmlos und ohne Wirkung auf Familien? Nein, sagt Friedemann Richert. Denn Sprachveränderung verändert das Denken. Und die Gender-Theorie verändere das Denken an seinen Wurzeln. Ziel sei es, die Heterosexualität abzulösen durch sexuelle Vielfalt. Sexualität werde dadurch zu einem reinen Spielelement. Und das Frau-Sein werde vom Thema Fruchtbarkeit abgekoppelt.

Wer wen schief anschaut

Das ist der Kern der Debatte. Und das spüren Eltern, zum Beispiel, wenn es um Sexualkundeunterricht und um Bildungspläne an den Schulen geht. Zu den Folgen gehört auch, dass Frauen sich schief anschauen lassen müssen, wenn sie nicht arbeiten gehen. Und in München geriet eine Schule, die einen Schulpreis für ihre mathematische Leistungen erhielt, ins Kreuzfeuer, weil sie eine reine Mädchenschule war und das dem Gleichheitsgrundsatz widersprach. Dabei fordern Pädagogen auf der anderen Seite schon lange, Jungen anders zu fördern als Mädchen, weil sie andere Bedürfnisse haben.

Andererseits: Wer auf der Straße Jugendliche beobachtet, sieht geschminkte Mädchen, halbstarke Jungs und alles, was die Geschlechter-Stereotypen hergeben. Ist also die Auflösung der Geschlechterrollen nur Theorie? Einerseits ja, andererseits nein, sagt Friedemann Richert. Das Thema „gender mainstreaming“ habe in der Bevölkerung eigentlich keinen Rückhalt. Aber weil es politisch gewollt ist, werden die Familien damit konfrontiert. Richert fragt: „Wie kann ich meine Identität als Frau in einer Gesellschaft leben, die nicht das Muttersein und die Fruchtbarkeit, sondern die Berufstätigkeit als Norm heranzieht?“ Wie soll man seinen Beruf ausüben und gleichzeitig Kinder großziehen? Auf diese Frage habe die Gesellschaft nur die „Gender-Antwort“: nämlich die Kinder wegzugeben.

„Ich vermisse bei uns die Hochschätzung von Müttern“, sagt Richert, der bei Beerdigungen spürt, dass da im Verhältnis zu Müttern etwas Besonderes mitschwingt. Er ist überzeugt, dass die Welt des Weiblichen kein Mann liefern kann. „Wir müssen erkennen, dass es Rollen gibt, die seitens des Kindes jeweils Vater und Mutter zugeordnet sind.“

In der Beratung von Ehepaaren stellt er auch oft fest, dass diese Rollen nicht geklärt sind, sich aber gleichzeitig „die mütterliche Linie“ durchsetzt. Oma, Mutter, Kind: Diese Linie verstärke sich oft bei der Geburt eines Kindes. Schlecht, wer das nicht weiß oder negiert. Auch das Mutter-Sohn-Verhältnis habe ein besonderes Gepräge. Dies klinge in Trauergesprächen an. Friedemann Richert will Familien Mut machen, über das Thema zu reden. In der Erwachsenenbildung, in Trauergesprächen, in Taufgesprächen.


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