Vor dem Urlaub: Paar-Inspektion!

Der Psychologe Reinhold Schmitz-Schretzmair rät Paaren zu einer ehrlichen Vorbereitung auf den Urlaub: Wer möchte was, wohin soll es gehen, was können wir erwarten?

Zu zweit am Strand und dann Streit? Das muss nicht sein. Foto: klaas-hartz_pixelio

Jedes Jahr erhöhen sich nach der Urlaubszeit die Anmeldungen zur Paartherapie – sowohl bei Reinhold Schmitz-Schretzmair von der Gesellschaft für Personzentrierte Psychotherapie und Beratung in Köln (www.gwg-ev.org) als auch bei seinen Kollegen im ganzen Land. Zahlen und Gespräche bestätigen, dass es bei Paaren im Urlaub besonders oft kriselt und danach häufig zu Trennungen kommt.

Warum birgt der gemeinsame Urlaub für Paare offenbar so viele Gefahren?

Reinhold Schmitz-Schretzmair: Im Alltag reden Paare statistisch gesehen nur wenige Minuten am Tag über ihre Beziehung. Im Urlaub sind sie dann plötzlich rund um die Uhr zusammen. Der Kontrast zum Alltag ist meist zu groß, so dass im Urlaub viele Dinge aufbrechen oder augenscheinlich werden, die schön länger gären und nicht mehr unter den Teppich gekehrt werden können.

Wie können Paare dem Urlaubs-Stress vorbeugen?

Tipps aus der Praxis gibt Reinhold Schmitz-Schretzmair. Foto: privat

Reinhold Schmitz-Schretzmair: Vor einer großen Reise wird das Auto oft ganz selbstverständlich in die Inspektion gegeben. Eine solche Vorbereitung kann auch der Beziehung helfen. Paare sollten ganz ehrlich über ihre aktuelle Situation reden und Bilanz ziehen: Was erwartet der einzelne vom Urlaub, welches Reiseziel passt zu den gemeinsamen Vorstellungen. Wichtig ist es auch, sich schon vorher klar zu machen, dass im Urlaub nicht immer alles glatt läuft. Es darf keine persönliche Katastrophe sein, wenn das Wetter nicht mitspielt oder der Kellner unfreundlich ist.
Und noch ein Tipp: Oft ist es besser, sich einen Tag Zeit zu nehmen, um vom Alltag in den Urlaub zu kommen.

Viele Paare haben unterschiedliche Interessen und Reisewünsche. Macht das den Urlaub noch komplizierter?

Reinhold Schmitz-Schretzmair: Im Prinzip haben es Paare mit gleichen Interessen auch im Urlaub leichter. Aber selbst bei unterschiedlichen Vorstellungen sind harmonische Reisen absolut möglich. Wichtig ist es, gemeinsam gute Kompromisse zu finden, die für beide akzeptabel sind.

Wie können solche Lösungen aussehen?

Reinhold Schmitz-Schretzmair: Ich nehme da gerne ein Beispiel: Sie will an die See und er in die Berge. Eine Lösung kann sein, das Reiseziel Jahr für Jahr abzuwechseln. Oder das Paar findet eine passende Urlaubsregion mit Bergen und Wasser. Es darf aber nicht so sein, dass sich einer durchsetzt und der andere kommt zu kurz. Das führt zu Stress und Problemen. Das Schlüsselwort ist hier ganz klar Kommunikation und aktives Zuhören: Was möchtest du, was möchte ich. Wenn beide Vorstellungen ehrlich auf dem Tisch liegen, gibt es immer eine Lösung.

Und im Urlaub selbst, welche Rolle spielt da die Toleranz?

Reinhold Schmitz-Schretzmair: Es ist immer wichtig, sich Freiräume zu lassen. Wenn jemand partout nicht in der Sonne braten will, sollte man ihn auch nicht dazu zwingen. Das rächt sich bloß. Falsch ist es auch, Schuldgefühle zu verteilen, also etwa: „Nur dir zuliebe renne ich jetzt bei brütender Hitze und mit Blasen an den Füßen durch die Stadt.“ Paare sollten sich lieber immer wieder sagen, unser Urlaub ist ein Highlight, das sollten wir genießen. Dabei hilft es auch, über manche Ärgernisse einfach locker hinwegzusehen, am besten gemeinsam darüber zu lachen.

Was raten Sie Paaren, bei denen die Urlaubsinteressen kaum zu vereinen sind?

Reinhold Schmitz-Schretzmair: Eine Lösung wäre, dass jeder neben dem gemeinsamen Urlaub auch alleine oder mit Freunden verreist, die die gleichen Interessen habe. Ich empfehle Paaren häufig, sich kleine Fluchten aus dem Alltag zu nehmen – zum Beispiel ein Wochenende oder eine Woche, die nicht gemeinsam verbracht werden muss.
Das gilt übrigens auch für Partner, die die gleichen Interessen und Urlaubswünsche haben. Auch sie sollten nicht immer alles gemeinsam machen, das kann eine Beziehung ersticken.


Der Urlaub war toll – wie kann man die positive Stimmung noch etwas verlängern?

Reinhold Schmitz-Schretzmair: Viele Paare fahren bis Sonntag in den Urlaub und müssen Montag wieder arbeiten. Das ist für viele ein zu krasser Wechsel. Ich rate, noch ein, zwei freie Tage zu Hause zu verbringen und das zu tun, was den Urlaub so positiv gemacht hat: beim Italiener essen gehen oder entspannt durch die Stadt bummeln.
Eine schöne Möglichkeit, um den Urlaub noch länger nachwirken zu lassen, sind Erinnerungsabende mit Gerichten aus der Urlaubsküche, Fotos und Geschichten.



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